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Historie der Vertreibung – Teil 2: 1947/48 – „Al Nakba“ – „Die Katastrophe“ / „Israelischer Unabhängigkeitskrieg“

Geschichte der ethnischen Säuberung und Besetzung des historischen Landes Palästina: 1947/48 – „Die Katastrophe“

„Al Nakba“ / Israelischer Unabhängigkeitskrieg

Am 14. Mai 1948 lief das britische Mandat aus und Zionisten erklärten den Staat Israel als geboren.

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Der Mythos der nationalen israelischen Geschichtsschreibung besagt, dass 1947, nachdem die Vereinten Nationen endlich dem jüdischen Volk (oder Religionsgemeinschaft) das Recht auf einen eigenen Staat zugesprochen hatten, die arabischen Armeen angegriffen hätten, mit der Absicht diesen unerfahrenen Staat, diese junge jüdische Gemeinde zu zerstören. Und das nur wenige Jahre nach dem Holocaust durch die Nationalsozialisten.

Jedoch waren die zionistischen Kräfte, die sogenannte Hagana, die Palmach, angeblich auf unerklärliche Weise in der Lage gewesen sämtliche arabischen Armeen zurückzuschlagen, die Palästinenser zu besiegen und zwischen dem Ende von 1947 und 1948 fast 80% des Landes zu erobern, über 530 palästinensische Gemeinden und Dörfer zu zerstören, einschließlich Schulen und Moscheen, Kirchen und Wohnhäusern und eine Dreiviertel Million Menschen ins Exil zu schicken, in einer Zeitspanne von nur 12 Monaten.

Wie waren sie dazu in der Lage gewesen, während sie gleichzeitig von Außen durch gewaltige Armeen angegriffen wurden?

Der jüdische Israeli Miko Peled, Sohn des israelischen Generals Mattityahu Peled, welcher 1947 persönlich als einer der zionistischen Milizionäre an der ursprünglichen Landnahme teilgenommen hatte und eine bekannte israelische Persönlichkeit war, berichtet Folgendes über das was sich in den persönlichen Erzählungen, aber auch den militärischen Protokollen aus der damaligen Zeit findet:

„Wenn man die Fakten betrachtet, realisiert man, dass die jüdische Gemeinde, die zionistische Bevölkerung im historischen Palästina um 1947, bereits über eine beträcht-liche Militärmacht verfügte. Sie hatte eine bewaffnete Streitmacht von fast 40,000 Mann. Gut ausgebildet und gründlich indoktriniert. Mein Vater war einer von ihnen.

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Es gab kein Äquivalent auf der palästinensischen Seite. Die Palästinenser hatten niemals über eine militärische Streitmacht verfügt. Und die arabischen Armeen der umliegenden Nationen beteiligten sich nicht an diesem Krieg bis zum Mai 1948. Der Krieg war bis zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Monate in Gang gewesen und die ethnische Säuberung des Landes hatte bereits stattgefunden. Die militärische Zielsetzung der Zionisten war klar: So viel Land wie möglich einzunehmen und so viele Palästinenser wie möglich loszuwerden.“

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Der israelische Entstehungsmythos ist leicht zu recherchieren und aufzudecken, wenn man nicht der offiziellen nationalen Geschichtsschreibung der Sieger dieses Konfliktes Folge leisten möchte.

Dieser Ablauf der Ereignisse findet sich auch in den Erzählungen der vertriebenen Palästinenser, die sich von den umliegenden arabischen Nationen zunächst im Stich gelassen gefühlt hatten.

Die israelische Geschichtsschreibung, der Revisionismus der Siegermacht, hält keiner näheren Betrachtung stand.

Das Ende des zweiten Weltkrieges und die Ereignisse des Holocaust wurden benutzt um eine ethnische Säuberung und illegale Landnahme bis heute zu rechtfertigen.

1948 war das Jahr eines unfassbaren Verbrechens. Eine fast wehrlose Bevölkerung von Ziegenhirten und Olivenfarmern, bis heute ohne eine eigene militärische Streitmacht, wurde aus ihrer Heimat vertrieben.

13,000 Palästinenser wurden von zionistischen Streitkräften ermordet, 750.000 Menschen wurden zu Flüchtlingen.

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Es wurden über 530 Gemeinden und Dörfer in diesem Land, die mitunter für Jahrhunderte existiert hatten, dem Erdboden gleichgemacht. Dies war ein Verbrechen wider die Menschlichkeit, verursacht durch eine weit überlegene Streitkraft.

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In diesem Zeitraum haben etliche Massaker an der palästinensischen Zivilbevölkerung stattgefunden. Dies war der Höhepunkt der zionistischen ethnischen Säuberung des Landes von der einheimischen arabischen Bevölkerung.

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Die Palästinenser sprechen von diesem Jahr als „Al Nakba“ – „Die Katastrophe“.

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Ein Augenzeuge berichtet dazu Folgendes:

Okkupiertes Westjordanland – Mohammed al-Saghir Abu Sharar war 37 Jahre alt als die Hagana und andere zionistische Milizen al-Dawayema 1948 angriffen, ein Dorf das sich 18 Kilometer nordwestlich von Hebron (Al-Khalil) befindet.

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Mohammeds Augenzeugenbericht wurde bestätigt durch israelische Historiker und Forscher, die sich deklassifizierter Archive der israelischen Armee bedienten und Veteranen zu den damaligen Vorgängen befragten.

Aharon Zisling, Israels erster Minister für Landwirtschaft, verglich das Massaker (Codename „Operation Yo´av“) mit den Verbrechen der Nationalsozialisten.

Als sie kamen, fingen sie damit an die zivile Bevölkerung en masse zu töten, Männer, Frauen und Kinder,“ erinnert sich Mohammed, heute fast 100 Jahre alt. „Sie töteten jeden den sie sahen. Sie schlugen Kindern die Köpfe ein und schnitten Frauen die Bäuche mit ihren Bayonetten auf.

Sie vergewaltigten sogar einige der Frauen, bevor sie sie ermordeten.“

Mohammed sagte eines der blutigsten Kapitel dieses Tages fand in der Moschee statt.

Es war Freitag und viele der Älteren waren bereits zum Gebet in die örtliche Moschee gegangen,“ erinnert er sich. „Etwa 2 Stunden vor dem Gebet, um 10 Uhr oder 10 Uhr 30, fuhren einige Fahrzeuge mit Schützen vor. Sie deckten alles und jeden mit Kugeln ein und töteten sämtliche 75 Älteren die anwesend waren. Nicht ein Einziger überlebte,“

fügt er hinzu. „Dann begannen sie damit in die Häuser einzudringen, ganze Familien umzubringen. Die Ermordungen zwangen die Menschen nach Osten zu fliehen. Aber die Männer der Hagana verfolgten die flüchtenden Zivilisten und töteten weitere von ihnen.“

Mohammed sagte auch das Dutzende der flüchtenden Familien Zuflucht in einer großen Höhle namens „Turel Zagh“ gesucht hatten:

Die Juden sagten ihnen das sie herauskommen, sich in einer Reihe aufstellen und zu gehen beginnen sollten.

Und als sie zu gehen begannen, wurden sie durch Maschinengewehrfeuer von beiden Seiten niedergemäht.

Eine Frau, die Ehefrau von Mir´ie Freih, überlebte das Massaker, indem sie sich totstellte.“

Die Opfer wurden nach seiner Aussage in einem örtlichen Brunnen beigesetzt.

Der israelische Historiker Benny Morris befragte einige Teilnehmer des Massakers, die ihm berichteten das etwa 80 bis 100 Menschen, einschließlich Frauen und Kindern, „von der ersten Welle der Eroberer“ getötet worden waren.

1984 interviewte ein israelischer Journalist den früheren Dorfältesten von al-Dawayema, Hasan Mahmoud Ihdeib, und brachte ihn zum Schauplatz des Massakers zurück.

Ihdeib erzählte ihm von den in der Moschee getöten Menschen und dem Massaker an den Familien bei der Höhle und zeigte ihm auch die Zisterne in der die Körper beigesetzt worden waren. Einige Tage später brachte der israelische Journalist Arbeiter mit sich, die gruben und Knochen sowie Schädel darin fanden.

1955 wurde die jüdische Siedlung Amatzy auf den Ruinen al-Dawayemas errichtet.

Als Mohammed abschliessend gefragt wurde ob er eine Kompensation für sein verlorenes Eigentum haben wolle, erwiderte er:

Dies ist nicht eine Angelegenheit von Besitz oder Kompensation. Dies ist mein Land, meine Geschichte, mein Zuhause, meine Kindheitserinnerungen. Meine Vorväter und -mütter liegen hier begraben. Würden Sie, um alles Geld in der Welt, um das Grab ihres Vaters verhandeln?“

 

Die Resolution 194 der Generalversammlung der Vereinten Nationen wurde am 11.12.1948, kurz vor dem Ende des Palästinakrieges, verabschiedet.

Die Zustimmung zur Resolution 194 durch Israel war eine Bedingung für die Aufnahme Israels in die Vereinten Nationen und wurde dementsprechend sehr schnell von der israelischen Regierung akzeptiert.

Sie wurde bisher jedoch komplett von ihr ignoriert.

Artikel 11 der Resolution 194 (Rückkehr von Flüchtlingen) wurde seit Ende der 1960er Jahre zunehmend von denen zitiert, die den Artikel als Basis des Rückkehrrechts palästinensischer Flüchtlinge sehen.

Israel hat sich gegen diese Auslegung gewandt und darauf hingewiesen das der Text lediglich feststellt, den Flüchtlingen „sollte erlaubt werden“ zum „frühest möglichen Termin“ in ihre Heimat zurückzukehren und das diese „Empfehlung“ sich nur auf jene bezieht, die „es wünschen, (…) in Frieden mit ihren Nachbarn zusammen zu leben“.

Fast 80%, nicht etwa die ursprünglich durch Fremdmächte angebotenen 55%, des historischen Palästina wurden zwischen 1948 und 1949 erobert. Die verbliebenen 22 Prozent, die Westbank, zu deutsch Westjordanland, im Osten des Landes (so genannt weil sie am Westufer des Flusses Jordan, an der Grenze zu Jordanien verläuft) und der Gazastreifen im Westen des Landes wurden den Palästinensern überlassen, die nicht in Flüchtlingslager in den Nachbar-ländern im Norden, Osten und Süden des Landes vertrieben worden (Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten) oder vor zionistischen Kräften geflohen waren.

In den restlichen 78% ihrer ursprünglichen Heimat fanden sich zum damaligen Zeitpunkt fast keine Palästinenser mehr. Es hatte eine ethnische Säuberung stattgefunden.

David Ben-Gurion, der erste Premierminister Israels, hielt in seinen öffentlich zugänglichen Tagebüchern bezüglich der Landnahme durch zionistische Kräfte 1947 fest: „Jeder Angriff soll ein entscheidender Schlag sein, der in der Zerstörung von Wohnhäusern und der Vertreibung der Bevölkerung resultiert.“

Die verbliebenen Palästinenser im Israeligebiet erhielten zwar die israelische Staatsbürgerschaft, standen aber unter einer besonderen Rechtssprechung, dem harten Militärrecht. In dem Zeitraum bis 1967 fanden erneut mehrere Massaker an der palästinensischen Zivilbevölkerung statt.

Als eine Regierung, die britische, das Land eines Volkes, das der Palästinenser, einem zweiten Volk, dem jüdischen, 1917 in der Balfour-Deklaration zugesprochen hatte, ohne eines der betroffenen drei Völker dazu zu befragen, wurde von Großbritannien auch gefordert, dass bei der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk, wie in der obenstehenden Balfour-Deklaration festgehalten wurde „Nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte.“

Als das britische Mandat 1947 abgelaufen war, zogen die Briten sich nach und nach zurück und gaben ihre Kolonialherrschaft auf.

Daraufhin haben die 40.000 Mann starken jüdischen Milizen der Hagana und Palmach eine gewaltsame ethnische Säuberung an der eingeborenen Bevölkerung betrieben, welche in historischen Dokumenten unabhängiger Beobachter wie der UN, den Berichten von israelischen Generälen und Augenzeugen auf beiden Seiten gut dokumentiert ist und ein halbes Jahr später dann drei arabische Armeen der umliegenden Länder besiegt, die ihrer Militärmacht Nichts entgegenzusetzen hatten.

Nach einer ethnischen Säuberung einer arabischen Bevölkerung und Krieg durch den neu geschaffenen Staat Israel wurden in den unmittelbar darauf folgenden Jahren ´48 bis ´51 jüdische Menschen aus den umliegenden arabischen Nationen vertrieben.

Wo haben sich diese Vertriebenen aus den Israel umgebenden arabischen Ländern dann angesiedelt? Sie haben in Israel Land erhalten, Land das vor ihrer eigenen Vertreibung den Palästinensern geraubt worden war.

Dies hat dem Wachstum der Bevölkerung Israels noch gedient, welches der Verursacher und einzige Nutzniesser dieser weiteren Tragödie war. Riesige jüdische Bevölkerungen die wie die Palästinenser seit einem Dreivierteljahrhundert in Flüchtlingslagern leben müssen, sind nicht bekannt. Ebenso keine 7 Millionen heute registrierten Flüchtlinge.

Diese Palästinenser fordern ein Rückkehrrecht, da sie keine Heimat mehr haben.

Dieses Recht auf Rückkehr, das durch die Vereinten Nationen von Israel sogar als Beitrit-tsbedingung gefordert und seither komplett ignoriert wurde, mit der nach der Nakba vert-riebenen jüdischen Bevölkerung, die in Israel das Land und die Häuser dieser vertriebenen Menschen erhalten hat, gleichzusetzen, halte ich für im höchsten Maße unzulässig.

Die UN forderte kein Rückkehrrecht dieser jüdischen Bevölkerung aus den umliegenden arabischen Nationen, da sie die Vorgänge hier sehr genau beobachtet hat. Diese Menschen haben das Land und die Häuser der vertriebenen Palästinenser erhalten.

1949 hiess die UN den Staat Israel als Mitgliedsstaat willkommen.
Der versprochene palästinensische Staat wurde seither jedoch nie realisiert oder anerkannt.

 

Vortrag von Miko Peled, Sohn des israelischen General Matityahu Peled, welcher 1947/´48 an der ursprünglichen Landnahme persönlich als Milizonär teilgenommen hatte, über die Wahrheit bezüglich der ethnischen Säuberung Palästinas:

Siehe Youtube: „Miko Peled Wahrheit über Israel“

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