Schlagwort-Archive: Anerkennung und Dialog

Israel – Verantwortung und Mitverantwortung

Als der Sohn und Nachkomme von Flüchtlingen, Vertriebenen, Unterdrückten und Ermordeten in meiner eigenen Familiengeschichte und mit Verwandten welche diese Dinge in diesem Moment vor Ort erleben, mache ich die Unterstützer der aktuellen und vergangenen Politik des Staates Israel, so lange sie nicht eine hilfreichere Form der Unterstützung finden, in ihrer bedingungslosen Solidarisierung und politischen Arbeit persönlich für eine Vielzahl von Verbrechen gegen die Menschlichkeit mitverantwortlich.

Für Bomben auf Kinder, für die Verhaftung und Misshandlung von Kindern, für die Misshandlung von Frauen, für ethnische Säuberungen mit Massakern und Vergewaltigungen, Plünderungen, Vertreibung, Unterdrückung, Diskriminierung, Rassismus, Ausbeutung von Ressourcen und Arbeitskraft, offensichtliche Apartheid, staatlichen und militärischen Terrorismus und viele, viele weitere Dinge welche ich in meinen vorausgehenden Artikeln angesprochen habe und die von sämtlichen Menschenrechtsorganisationen und der UNO kritisiert werden, aber ganz besonders für die Versuche mancher die hiesige deutsche Bevölkerung zu zensieren und mundtot zu machen, aus selbstdienlichen Zwecken, durch den Missbrauch des Holocaust als Deutscher, in Form von unpassenden und zweckentfremdeten Antisemitismusvorwürfen.

Es leben heute etwa 6 Mio. Israelis in diesem Land. Etwa 4 Mio. Palästinenser leben im Westjordanland und in Gaza, weitere etwa 2 Mio. im Rest des Landes als Bürger zweiter Klasse, mit diskriminierenden Sondergesetzen. Besatzung und Besiedlung, Belagerung und Krieg prägen das Leben der palästinensischen Bevölkerung in Israel.

Zusätzlich warten mehr als 7 Millionen palästinensische Flüchtlinge und Vertriebene, Exilanten sowie deren Nachkommen in den umliegenden Ländern und auf der ganzen Welt auf ihr Rückkehrrecht in ihre Heimat. Die Situation der durch zionistische Gewalt Vertriebenen in den Flüchtlingslagern, die ausserhalb des Landes auf ihr Rückkehrrecht warten, ist ein ebenso menschenunwürdiger Zustand. Dies wird von vielen Menschenrechtsorganisationen und der UNO zu Recht als eine humanitäre Katastrophe angesehen.

Für diese Dinge muss ich die Befürworter dieser Politik mitverantwortlich machen. Wir sollten auf der selben Seite stehen. Auf der Seite der Unterdrückten, nicht auf der der Unterdrücker. Auf der Seite der Besetzten, nicht der der Besatzer. Auf der Seite der Vertriebenen, nicht auf der der Vertreiber. Auf der Seite der tatsächlichen und hauptsächlichen Opfer dieses Konfliktes, wie die Zahlen und Fakten belegen, von denen radikalisierte Elemente jedoch auch viele Dinge getan haben die abzulehnen sind. Und dann versuchen für beide Seiten Verständnis und reelle Hilfen anzubieten.

Leider trifft ein Teil der Verantwortung auch diejenigen die zu diesen Dingen schweigen oder Wegschauen, im selben Maße wie die Verantwortung für das Schweigen und Wegschauen einer Bevölkerung sie zu allen Zeiten betroffen hat.

Ich stehe auf der Seite von jüdischen Holocaust-Überlebenden und deren Nachkommen, die vor einer Wiederholung der Geschichte warnen. Auf der Seite von Menschen wie Kofi Annan und Nelson Mandela. Auf der Seite von Unicef und der UNO. Von Menschen-, Frauen- und Kinderrechtsorganisationen überall auf der Welt. Manch anderer stellt sich auf die Seite des Zionismus, einer nationalistischen politischen Ideologie, die 1975 durch die Resolution 3379 der Vereinten Nationen als eine Form des Rassismus bezeichnet wurde. Es genügt ein Blick auf die Aussagen berühmter Zionisten durch die Jahrhunderte oder auf Zitate israelischer Politiker in den letzten Jahrzehnten. Israel hat seine Teilnahme an der Madrider Friedenskonferenz 1991 von der Rücknahme dieser Resolution abhängig gemacht und sie wurde zurückgenommen.

Im 19. Jahrhundert, mit der Ausbreitung des Antisemitismus, des Rationalismus und des nationalen Bewusstseins in Europa, entstanden mehrere Gruppierungen, die in der Gründung eines eigenen Staates eine Lösung für die Probleme der jüdischen Bevölkerung sahen. Die Zionismus-Bewegung ist ein Sammelbegriff für viele unterschiedliche Denkweisen, Interpretationen und Ideale. Gemeinsam war ihnen die Auffassung, ein Staat Israel sei nicht nur die Beendigung der Flucht vor Antisemitismus, sondern vor allem auch eine Selbstverwirklichung. 1862 veröffentlichte der deutsche orthodoxe Rabbiner Zwi Hirsch Kalischer die Schrift „Drischat Zion“. Darin schreibt er, die Erlösung der Juden und die erhoffte Rückkehr in ihre Heimat könnten nur durch Eigeninitiative und Selbsthilfe erreichbar sein. Das war der entscheidende Anstoß für die Gründung des religiösen Zionismus. Orthodoxe Juden wiederum sahen in den Zionisten abtrünnige Ketzer, die sich gegen das von Gott verfügte jüdische Exil auflehnten und sich selbst erlösen wollten, statt auf die Ankunft des Messias zu warten.

Entscheidend für den Erfolg der Bewegung war die Entstehung des politischen Judentums. Kopf dieser Gruppe und der gesamten Bewegung wurde der Wiener Journalist Theodor Herzl. Er vertrat den Standpunkt das die Juden trotz Integrationsbemühungen bis zur Selbstaufgabe immer noch als Fremde angesehen wurden. 1897 organisierte Herzl den ersten Zionistischen Kongress. Delegierte aus ganz Europa kamen auf seine Einladung hin nach Basel. Herzl einte sie und formte eine gemeinsame Bewegung.

Viele Jahre vergingen, nicht ohne große Diskussionen und Streitigkeiten. Es wurde intensiv diskutiert, ob die Juden auch in einem anderen Land als in Palästina einen eigenen Staat gründen sollten oder könnten. Nicht weniger als 33 mögliche Lösungen wurden vorgeschlagen. Vor allem die Vorschläge den Staat in den freien Flächen in Argentinien oder Uganda zu gründen, schlugen die höchsten Wellen. Der pragmatische Herzl und der politische Zionismus waren dafür, erlitten aber beim 6. Zionistischen Kongress 1903 eine Abstimmungsniederlage. Schließlich beschlossen die Vereinten Nationen, 50 Jahre nach dem ersten Zionistischen Kongress, die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina kurz nach den Ereignissen und dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Die Ereignisse im Dritten Reich haben eine Machtergreifung und Durchsetzung der politischen Ideologie des Zionismus ermöglicht. Doch merkt man nicht das man sich in mancher Hinsicht einer ähnlichen Argumentation bedient wie einst Hitler? Lebensraum. Existenzangst. Die Bedrohung einer Rasse. Nationalismus. Isolation. Die Notwendigkeit von Gewalt um den Fortbestand einer Rasse zu sichern. Die Überlegenheit einer Rasse. Ein auserwähltes Volk. Die Bezeichnung anderer Völker als Nicht-Menschen. Groß–Deutschland / Eretz–Israel. Dies ist eine autoritäre Ideologie. Es folgen in dieser Argumentation nur noch Lebensraumerweiterung, die auch schon nach Ägypten und in den Libanon hinein versucht wurde und die täglich stattfindet ins Gebiet der Palästinenser und im schlimmsten Fall irgendwann vielleicht auch eine Lösung des Problems des störenden Volkes, wie es schon häufig durch führende Zionisten gefordert wurde.

Und Krieg gegen andere Völker und fremden Kulturen ist üblicherweise die einzige, letzte Konsequenz einer solchen nationalistischen Ideologie. Was glaubt man was dann mit den störenden Eingeborenen passiert? Dies wird auch der Untergang dieser Nation sein, vielleicht der Untergang der ganzen Welt im Nuklearzeitalter. Menschen die einer solchen Ideologie folgen hassen ihr früheres Opfersein. Und so identifizieren sie sich mit Stärke. Ihnen muss geholfen werden.
Hier muss man noch einmal betonen: Es gibt arabische, afrikanische und europäische Juden. Nur manche Juden sind Zionisten. Nur manche Israelis sind Zionisten. Nur manche Israelis sind Juden. Dies ist kein jüdisches Problem. Es ist eine problematische, nationalistische und religiös begründete politische Ideologie, wie es sie viele gibt. Eine Weltanschauung mit einem bestimmten Welt- und Menschenbild.

Es genügt völlig, sorgfältig über einen Zeitraum von 150 Jahren hinweg die Aussagen führender Zionisten und ihrer Organe zur Kenntnis zu nehmen. Der Betrachter sollte jedoch dabei bedenken das der Zionismus nur eine politische Richtung des Judentums ist, die nicht mit dem Judentum insgesamt gleichgesetzt werden darf. Bezüglich „Judentum“ muß man unterscheiden, ob es sich nur auf das Alte Testament (orthodoxe Juden, die sich vielfach gegen den Zionismus positionieren) oder auch auf andere Schriften stützt. Stützt es sich auch auf den Talmud und auch auf die Kabbalah, dann handelt es sich um die geistig-okkulte Grundlage des Zionismus, kommen noch politische Aktivitäten dazu, spricht man von Zionismus.

Wie Hitler verwechselt mancher die Ideologie des Zionismus mit dem jüdischen Volk. So wie die Ideologie des Nationalsozialismus von vielen weltweit noch immer mit dem deutschen Volk verwechselt wird. Ich mache hier eine deutliche Unterscheidung. Kein einziger Mensch, aber eine Ideologie der Angst und der Allmachtsphantasien ist es, die problematisch ist. Eine autoritäre Struktur. Keine Menschen, sondern solche Strukturen gilt es zu überwinden. Die Verantwortung für die Missstände in der israelischen Politik sehe ich in der Ideologie des Zionismus begründet. Mitverantwortlich sind ihre Anhänger, wobei viele mit Sicherheit nur die besten Absichten hatten und haben, doch die Frucht dieser Saat kann jeder sehen der auch hinschaut. Eine nationalistische Saat. Die zu Isolation, Krieg, Gewalt gegen andere und Rassismus führt.

Halten wir es in der westlichen Welt nicht üblicherweise für ein Zeichen einer besonders liberalen Demokratie Minderheiten zu schützen, Flüchtlingen zu helfen, Integration zu ermöglichen, ein multikulturelles Zusammenleben zu erfahren, anstatt zu versuchen eine Nation ethnisch möglichst homogen zu halten? Ist dies nicht fragwürdig für eine Demokratie? Viele Politiker Israels argumentieren bezüglich des Rückkehrrechts der Palästinenser, oder der Einwanderung afrikanischer Asylsuchender, damit, dass diese Dinge zuzulassen den jüdischen Staat, mit nur 6 Mio. Menschen Bevölkerung, in seiner jüdischen Homogenität zerstören würde. Die Frage die ich mir stelle ist, ob im Jahr 2015 eine westliche Demokratie die Teil der internationalen Staatengemeinschaft der Vereinten Nationen ist, noch einen Anspruch an eine rassische oder völkische Reinheit oder starke Mehrheit innerhalb ihrer Grenzen stellen darf oder sollte. Erstrebenswert sind heutzutage doch eher Internationalität und die Anerkennung der unvermeidlichen Vermischung der Völker. Ich bin mir nicht sicher wie lange so ein Anspruch aufrechterhaltbar ist. Persönlich habe ich eher den starken Eindruck ein solches Verhalten gefährdet diese Bevölkerung stärker als die Integration und Vermischung in anderen westlichen Demokratien. Reellen Demokratien, nicht nur nach innen ihrer europäischstämmigen, jüdischen Bevölkerung gegenüber.

Mancher hat sich vielleicht nach der lobenswerten gründlichen Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten mit dem solidarisiert, was sie oder er als den „Überlebenskampf der Opfer“ identifiziert hat: Den Zionismus. Eine nationalistische und rassistische politische Ideologie. Besser wären demokratische Prinzipien.

Der Zionismus hatte der jüdischstämmigen Bevölkerung Sicherheit versprochen. Inzwischen ist dies zu einer Farce geworden. Tatsächlich ist der Zionismus heute die größte Bedrohung für das Judentum. Nirgends waren jüdische Menschen unsicherer als im eigenen Land, tendenziell auch als Kollektiv wenn es wieder hoch hergeht im regionalen Krieg, wie Professor Moshe Zuckermann, jüdischer Israeli und Professor der Soziologe an der Universität Tel Aviv richtig festhält (siehe Artikel über die deutsche Linke oder sekundären Antisemitismus). Er appelliert an die Angesprochenen, sie schaden der Sicherheit des jüdischen Volkes und der Entwicklung zu einer reellen, gleichberechtigten Demokratie enorm, indem sie den Staat Israel in jedweder Politik bedingungslos noch bestärken.

Aber auch für all das was als weitere Konsequenz dieser nationalistischen Ideologie, den sich daraus ableitenden Allmachtsansprüchen und der daraus resultierenden Politik folgen könnte, für das israelische Volk, die Palästinenser und die ganze Welt, muss ich die Unterstützer dieser nationalistischen Politik mitverantwortlich machen. Derjenige der hier die Ideale vieler vertritt die sich für Humanisten halten, bin ich. Derjenige der ein Teil des Problems, statt seiner Lösung ist, sind bedingungslose Unterstützer der aktuellen Politik des Staates Israel. Bedingungslose Solidarität stellt überhaupt keine Hilfe dar und gleicht einem Kadavergehorsam. Wenn ich jemanden liebe, dann helfe ich ihm auch mit Anregungen und Kritik.

Meine Inhalte stehen für sich, wie ich schon sagte, weil ich versuche mich strikt an die Sachlage zu halten. Die Wahrheit ist immer einfach, unmissverständlich und kann für sich alleine stehen. Sie braucht keine Rechtfertigungen und Ausreden, ein Konzept das manchem Befürworter fragwürdiger Politik neu sein dürfte.

Verkompliziert wird die Auseinandersetzung allein durch die unehrliche Art und Weise auf die sie geführt wird. Diejenigen die sagen man vereinfache die Dinge und dieses Thema wäre viel zu komplex um offenkundige Missstände anzuprangern, tun dies allein zum Schutze ihrer Ideologie. Unrecht ist immer sofort als solches erkennbar. Die Augen davor zu verschliessen was in bestimmten Lagern geschieht oder geschehen ist, ist ein Verbrechen das keiner Wiederholung bedarf. Man sollte daraus lernen. Man sollte auf die Warnungen vieler Holocaust-Überlebender hören: Was dort geschieht erinnert an den Faschismus. Siehe hierzu auch mein Artikel über Dr. Hajo Meyer, ein Auschwitz-Überlebender und seine Warnung.

In diesem 1-minütigen Video sieht man bereits in den ersten Momenten den Umgang des israelischen Militärs mit einem palästinensischen Demonstranten dessen Augen verbunden und Hände gefesselt sind. Auch für diesen Vorfall und die Systematik in der Vorgehensweise der Besatzungspolitik solches Verhalten betreffend, siehe mein Artikel über Traumatisierung und Radikalisierung sowie die Videointerviews dort, muss ich die Unterstützer solcher Dinge leider mitverantwortlich machen. Dies ist nicht zu rechtfertigen. Unrecht ist immer sofort als solches erkennbar.

Abschliessend möchte ich sagen das ich es als verständlich empfinde, wenn Menschen einer Ideologie folgen. Ein jeder versucht nur das Richtige zu tun. Auch bezweifle ich das irgendjemand, oder vielleicht nur die Wenigsten, gerne für solche Dinge verantwortlich zeichnen würden wie die oben genannten. Oder gar überhaupt darum wissen. Ich habe Verständnis. Was ich mir wünschen würde, wäre seine Unterstützung in einer bewussteren, informierteren Form auszuüben. Der Staat Israel hat jede Unterstützung verdient eine reelle Demokratie zu werden, frei von Nationalismus und Apartheid.

Advertisements

Gaza – Ein Kriegsverbrechen

Wenn Ausgewogenheit in der Betrachtung gefordert wird, dann meint Mancher damit eine unehrliche Auseinandersetzungsweise. Weil manche Dinge schlichtweg aus dem Grund nicht sein können, dass sie es für Manchen nicht sein dürfen. Deshalb gibt es von diesen Seiten auch unentwegt Rechtfertigungen für Dinge, die nicht zu rechtfertigen sind. Ich habe kein Problem damit die Dinge so zu benennen wie sie sind.

Ich kann ohne Schwierigkeiten anerkennen das die Reaktionen (denn genau das sind sie, der Aggressor ist im Falle einer besetzten und unterdrückten, weit unterlegenen Bevölkerung mehr als eindeutig oder hat die UN jemals Resolutionen gegenüber den Palästinensern ausgesprochen?) das diese Handlungen derjenigen Palästinenser die sich mit Gewalt wehren, ebenso abzulehnen sind wie Israels Kriegshandlungen, insbesondere zivile Opfer sind unter keinen Umständen zu rechtfertigen.

Das es erhebliche Missstände in den umliegenden arabischen Nationen gibt und vieles mehr prangere ich ebenfalls an. Aktuell rede ich jedoch über Israel. Ja, die arabische Seite begeht Fehler. Aber Israel tut dennoch Dinge die nicht zu rechtfertigen sind. Und zwar systematisch und in einem weit größeren Maßstab als seine Opfer, während es sich selbst als eine Demokratie bezeichnet.

Hier liegt eine völlige Unverhältnismäßigkeit des Konfliktes vor und diese weigert sich Mancher anzuerkennen. Weigert sich damit auch die Opfer als solche zu bezeichnen. Fordert eine unehrliche Auseinandersetzungsweise um seine Position zu schonen. Meinen Youtubekanal habe ich Anerkennung und Dialog genannt. Zuerst müssen die Verletzungen auf beiden Seiten, bei-den Sei-ten, voll und ganz anerkannt werden. Dann lässt sich erst ein Dialog führen. Wer dazu nicht imstande ist, steht dem Friedensprozess im Weg mit seiner eigenen unausgewogenen Betrachtungsweise. Um die reelle Verhältnismäßigkeit des Konfliktes einmal an Gaza aufzuzeigen:

Etwa 1,8 Millionen Menschen leben im Gazastreifen, im zweiten Gebiet neben dem Westjordanland / der Westbank, in das den besetzten Palästinensern nach ihrer Vertreibung zu flüchten gestattet war. 80% von ihnen sind Flüchtlinge und haben einen staatenlosen Status, da Israel ihnen nicht ermöglicht in ihr Zuhause ausserhalb von Gaza zurückzukehren. Sie leben seit 1967 unter Besatzung und seit 2006 trotz unilateralem Rückzug unter einer vollständigen militärischen Belagerung in Luft, Land und See. Dies ist eines der am dichtesten bevölkerten Gebiete der Welt. 800,000 dieser 1,8 Millionen Menschen sind Kinder.

gaza attack

Bei jedem Angriff ist das Erste was die israelische Regierung kappt die Energieversorgung. Es ist auch stets das Letzte, was von ihr wieder hergestellt wird. Die Menschen von Gaza haben durchschnittlich 6 Stunden Elektrizität am Tag. Auch für ihre Schulen, ihre Krankenhäuser, ihre Wasseraufbereitung.

Die folgenden Zahlen stammen von den unabhängigen Beobachtungsorganen der UNO und können von jedem überprüft werden. Ein Link zu dem entsprechenden UN-Bericht findet sich hier https://www.ochaopt.org/documents/annual_humanitarian_overview_2014_english_final.pdf. Von Juli bis August 2014, also Mitte letzten Jahres erst, wurde die dritte Militäroffensive Israels in den letzten Jahren gegen den Gazastreifen gestartet, mit 2,220 getöteten Palästinensern, fast 1,500 dieser Menschen waren unschuldige Zivilisten, keine Kämpfer. Mehr als ein Viertel der Toten waren Kinder.

gaza kinder

Um die Verhältnismäßigkeit der Auseinandersetzung und die durch Israel viel beschworene Bedrohung durch die Hamas aufzuzeigen, im gesamten Jahr 2014, also nicht nur während dieser Übergriffe auf Gaza und aufs ganze Land bezogen, nicht nur auf den Gazastreifen wie die obigen Zahlen palästinensischer Opfer, wurden 87 Israelis von palästinensischen Kräften getötet, fast ausschließlich militärische Streitkräfte und bewaffnete Siedler. Mehr als 11,000 Palästinenser wurden während der Übergriffe auf Gaza letztes Jahr körperlich verletzt.

gaza-2

Etwa 500,000 Menschen mussten zum Höhepunkt der Angriffe aufgrund von Bombardements und militärischen Angriffen fliehen. Jedoch ist Gaza ein Käfig der abgeriegelt wird und aus dem es insbesondere während Bombardements und Kämpfen keinen Ausweg gibt.

girls gaza

Der Zeitpunkt der aus unerklärlichen Gründen für den Beginn des Bombardements durch das israelische Militär gewählt wurde, vielleicht liegt auch ein militärischer Grund dafür vor, war die Mittagszeit, als die Vormittags- und Nachmittagsschulschichten wechselten und die meisten Kinder auf den Strassen waren. Eine Ein-Tonnen-Bombe zerstört einen gesamten Häuserblock. Über 100 Tonnen Bomben wurden auf diese Kinder abgeworfen.

gaza-13

Etwa 18,000 Palästinenser haben dort letztes Jahr ihr Zuhause verloren und leben nun obdachlos. Über 12,000 Wohnhäuser wurden vollständig zerstört, 13,000 schwer beschädigt, 130,000 teilweise zerstört. Die Schäden im Gaza-Streifen sind so groß wie nie, der Sachschaden beträgt etwa 6 Milliarden Dollar. 70 Prozent der Einwohner sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Gaza ist eine Hölle und ein Trümmerfeld. In dem Kinder leben.

gaza kid

Diese Dinge sind von Niemandem und in keinster Weise zu rechtfertigen. Das wäre im höchsten Maße zynisch angesichts der Bombardierung von zivilen Zielen wie UN-Schulen, der Tötung von Zivilisten und Kindern und der eklatanten Unverhältnismäßigkeit des „Konfliktes“, richtiger der Invasion. Hier findet Kriegsverbrechen statt. Darin sind sich Menschenrechtsorganisationen einig. Diese Dinge müssen voll anerkannt werden, genau so wie sie sind, ohne sie zu entschuldigen oder zu rechtfertigen.

gaza woman

Keiner bezweifelt das die Palästinenser sich wehren, auch in unzulässiger Weise. Obgleich eine UNO-Resolution besagt, dass die Kämpfe von Völkern gegen Okkupation und Apartheid legitim sind, auch bewaffneter Widerstand. Dennoch lehne ich Gewalt ab. Der Aggressor und Überlegene ist jedoch eindeutig. Was hier geschieht ist Kriegsverbrechen und Unrecht.

GAZA CITY, GAZA--JULY 26, 2014--At the start of the ceasefire, man grieves at the site of his home in the Shejaiya neighborhood of Gaza City that has seen some of the heaviest bombardment by Israeli forces. There was nothing left to recover. At the start of a 12-hour ceasefire, people scour the rubble of their homes in Shejaiya neighborhood looking for the dead and recovering belongings. (Carolyn Cole/Los Angeles Times)

Ein kurzes, 5-minütiges Video von Dr. Jürgen Todenhöfer bei Anne Will, der persönlich 2014 als Augenzeuge im Gazastreifen war und das die Verhältnismäßigkeit des Konfliktes aufzeigt:

Ein zweites kurzes Video dazu das ich als ebenso wichtig empfinde, denn in ihm beschreiben israelische Soldaten die in einer Panzerdivision an den militärischen Übergriffen auf Gaza im Winter 2008 persönlich teilgenommen haben und welche ich oben noch nicht beschrieben habe, detailliert die Lüge der chirurgischen Angriffe und wie sie mit einer gewaltigen Übermacht dort einfallen um auf alles zu schiessen was sich in der Nähe befindet, sowie die groteske Unmenschlichkeit und Unverhältnismässigkeit des Konfliktes angesichts ihrer militärischen Übermacht. 1,300 tote Palästinenser, überwiegend Zivilisten und Kinder, 13 tote israelische Streitkräfte in diesem Konflikt:

Der Staat Israel begeht im Gazastreifen leider Kriegsverbrechen. Die Unverhältnismäßigkeit des Konfliktes, die durch die UNO beobachteten vielen Tötungen und Verletzungen, zerstörten Wohnhäuser und Schulen sind nicht zu rechtfertigen, auch nicht durch die reell kaum vorhandene Bedrohung durch die Hamas, auf die ich in meinem nächsten Artikel näher eingehen werde. Die Palästinenser haben diesen Übergriffen Nichts entgegenzusetzen.

Den Widerstand der Opfer von Besatzung, Apartheid, Rassismus und militärischen Übergriffen als Anlass und Rechtfertigung für weitere Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu nehmen, wie es die israelische Regierung tut, ist in meinen Augen nicht zulässig. Die immer wieder vorgebrachte Forderung der Hamas ist so einfach wie klar: Behandelt uns endlich gerecht.

Wenn den Palästinensern Gerechtigkeit widerfahren würde, wären sie bereit den Widerstand niederzulegen. Das haben sie häufig betont. Auch würde die Hamas, die den Widerstandskampf führt, gegenüber einer demokratischeren Regierung zurücktreten, wenn dies in einem Referendum auch unter den Palästinensern im Ausland so gefordert werden würde. Statt diesem Volk Gerechtigkeit zu geben, Gleichberechtigung, eine Frau, ein Mann, eine Stimme und demokratische Grundprinzipien, dasselbe das Jeder von uns für sich auch wollen würde, stattdessen wird hier mit der größtmöglichen Gewalt versucht, den Willen und Widerstand dieses Volkes zu brechen.

Demonstrationen und politischer Protest sind erforderlich, die politischen Parteien Deutschlands müssen sich in dieser Frage positionieren, oder dazu angehalten werden sich zu positionieren und der Bevölkerung muss die Möglichkeit gegeben werden entsprechend zu wählen.

banksy gaza

Israel – Traumatisierung und Radikalisierung auf allen Seiten

In meiner Ausbildung habe ich im Rahmen einer Präsentation gegen rechte Gewalt zur Thematik der Traumatisierung und Identifikation mit dem Aggressor einen Vortrag gehalten. Meine psychologische Grundbildung ermöglicht mir Verständnis für Israels Verhalten aufzubringen, statt Dinge zu rechtfertigen die nicht zu rechtfertigen sind. Sonst ist auch keine Lösung möglich.

Statt mit sekundärem Antisemitismus sollte sich mancher mit der anerkannten Theorie des autoritären Charakters befassen, entwickelt durch den jüdischen Psychologen Dr. Sigmund Freud und seine Tochter Anna Freud, sowie fortgeführt durch die Soziologen Fromm und Adorno. Was mancher nicht realisieren möchte und weshalb er die offenkundigen Opfer dieses Konfliktes als Täter bezeichnet, ist das auch Juden Täter sein können. So wie jeder. Und das hat seine Ursachen.

Und die Urheber dieses Trauma die ihren ehemaligen Opfern dieses zugefügt haben, die Deutschen, sind eigentlich diejenigen die einem Freund und Bündnispartner wie Israel dabei helfen sollten eine eigene Entwicklung zu einer autoritären Haltung zu vermeiden. Dieses aggressive Verhalten ist abzulehnen, zu kritisieren, ein öffentlicher Druck muss erzeugt werden und es muss geändert werden.

Sanktionen müssen verhängt werden wie bei jedem anderen Land das sich in einer solchen Weise verhält auch. Gleichzeitig muss man Verständnis für die Ursachen dieses Verhaltens entwickeln. Dies darf aber unter keinen Umständen erneut zur Rechtfertigung und Entschuldigung dessen, was nicht zu rechtfertigen ist und abgelehnt werden muss, zweckentfremdet werden.

Viele Menschen lassen den Staat Israel in seiner aktuellen Politik gewähren, da sie das Trauma der jüdischen Bevölkerung anerkennen, nicht aber dessen Konsequenzen. Dies stellt überhaupt keine Hilfe dar, es ist schädlich. Nun wird dieses Trauma an die Palästinenser weitergegeben. Sie sind die neuen Opfer in dieser Kette. Die Kette von Traumatisierung und der Weitergabe dieses Traumas kann unter diesen Umständen nur noch durch die volle Anerkennung der Verletzungen auf beiden Seiten durchbrochen werden.

In diesem etwa einminütigen Video mit deutschen Untertiteln kann man die Folgen von Traumatisierung und Radikalisierung eines palästinensischen Kindes nachvollziehen:

Die Verdrängung muss endlich enden. Und man wundert sich das die arabische Welt sich radikalisiert. Die gesamte arabische Welt schaut genau auf das, was mit den Palästinensern geschieht und wie der Westen damit umgeht. Das Schicksal der Palästinenser und der Umgang der westlichen Welt damit dienen der arabischen Welt als mahnendes Beispiel dafür, was ihr durch den Westen blühen könnte.

Eine solche Behandlung von Kindern und auch Frauen wie die hier Gezeigte, kann keine gemäßigte Reaktion nach sich ziehen, wenn sie nicht unterbunden wird:

Der 5-jährige palästinensische Junge Khaled Jabari sieht wie sein Vater verhaftet wird, weil dieser frisches Wasser gestohlen hat. Fadel im Westjordanland, Bezirk Hebron. Der indigenen Bevölkerung Palästinas wird das Recht auf Wasser häufig verweigert, während illegale Siedler nicht selten Schwimmbäder in ihrem Garten hinter dem Haus haben:

Während der wöchentlichen Demonstrationen im Dorf An-Nabi Salih versucht eine Mutter mit ihren 3 Kindern auf ihr vom israelischen Militär besetztes Land zu gelangen. Die israelischen Streitkräfte behaupten zunächst, dass sie ihr Land zu einem abgeriegelten Sperrgebiet erklärt hätten. Jedoch wurde dieses Land von israelischen Siedlern aus dem nahegelegenen Dorf geraubt, welche nun durch das Militär beschützt werden. Bei Minute 5 erklärt die Mutter, kurz bevor sie abgeführt wird, das sie über die Besitzurkunden für ihr Land verfügt und fragt den Soldaten aus welchem Grund die israelischen Siedler nicht auch entfernt werden, wenn es sich tatsächlich um eine Sperrzone handele. Im weiteren Verlauf der Aufnahmen verlangen die Kinder vergeblich die Rückgabe ihrer Mutter und teilen den Soldaten mit, dass sie die Presse informieren werden:

In diesem 2-minütigen Videointerview von meinem Youtubekanal (und den folgenden in der selben Playlist, wen es interessiert) bricht eine ehemalige israelische Soldatin, eine von 700 ReservistInnen, ihr Schweigen über die Regel und Realität der Brutalität des Besatzungsregimes in den besetzten Gebieten.

Im letzten Video der Playlist beschreibt sie einen Versuch radikaler Siedler eine palästinensische Familie in ihrem eigenen Haus durch Gas zu töten. Erkennt man hier nicht die Weitergabe des Traumas? Wer könnte bezweifeln das die jüdische Bevölkerung durch das ungeheure Verbrechen des Holocaust zutiefst traumatisiert worden ist? Es war das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte.

Ich unternehme hier einen Versuch Verständnis für Israels Verhalten zu entwickeln und dieses zu ändern, statt es zu rechtfertigen. Doch muss man sich diese Dinge ansehen, gerade als Deutscher.

Israel ist in seiner aktuellen Politik leider ein Staat der eine unterdrückerische Besatzungspolitik ausübt. Er muss einen anderen Weg finden seine Traumatisierung zu bewältigen, als dieses Trauma an andere weiterzugeben. Es ist die Verantwortung der Welt und besonders der Deutschen, ihm zu helfen einen besseren Weg zu finden.

Sekundärer Antisemitismus und seine Auswüchse

Menschenrechtler wie Nelson Mandela und Kofi Annan von der UNO wären, wenn man der Argumentation des sekundären Antisemitismus folgen würde, also Rassisten weil sie den Staat Israel in seiner Politik kritisierten. Soll das ein Scherz sein? Dieser Begriff wird völlig von seiner ursprünglichen Bedeutung, dem Bezug zu Judenhass und Holocaust losgelöst und dem Holocaustgedenken wird damit Unrecht getan.

Professor Moshe Zuckermann, Soziologe von der Universität Tel Aviv, beschreibt in untenstehendem Interview als was für eine Ungeheuerlichkeit er es empfindet als Jude, als Israeli und als Nachkomme von Holocaust-Überlebenden ausgerechnet von Deutschen aus Deutschland als Antisemit bezeichnet zu werden, für seine Kritik an seinem eigenen Staat.

Man spuckt damit auf die Opfer des Nationalsozialismus in seiner Familie. Wer gibt Menschen das Recht dazu die jüdischen Nachkommen und sogar noch lebende Opfer des Antisemitismus der Nationalsozialisten als Antisemiten zu beschimpfen? Das ist der groteske Auswuchs dieses Konstruktes. Jetzt muss man schon die Opfer der Shoah davor schützen?

Und es zeigt das es überhaupt nicht mehr um die Juden oder den Holocaust geht, sondern nur darum eine Ideologie zu schützen und bei manchem die eigene Identität, wenn man die Aussage macht das jeder der Israel kritisiert sekundären Antisemitismus betreibe. Es geht manchem dabei nur noch um die eigenen Befindlichkeiten und das eigene Selbstverständnis als Deutscher. Dafür nimmt man es in Kauf als Deutscher auch jüdische Opfer der Nazis als Antisemiten zu bezeichnen. Das halte ich für in höchstem Maße fragwürdig.

Das Feindbild solcher Menschen sind nicht Antisemiten. Ihr Feindbild sind Kritiker an einer Ideologie und dem womit sie sich zu solidarisieren versuchen – der Politik eines Staates, nichts anderes. Nicht einmal die Opfer des Holocaust sind dabei davor noch sicher. Diese muss man sogar schützen. Mancher missbraucht als Deutscher den Holocaust als Schutzschild und Waffe.

Hier ist ein Video des oben erwähnten Prof. Moshe Zuckermann, jüdischer Israeli und Professor der Soziologie an der Universität Tel Aviv in Israel, über die Legitimation von Israelkritik und Antisemitismusvorwürfen, sowie das Konstrukt des sekundären Antisemitismus.

Die einzige Weise auf die ich diesen Begriff gelten lassen kann ist in seiner tatsächlichen und ursprünglichen Bedeutung als Rassismus gegen die semitische Volksgruppe und als Hass auf jüdische Menschen. Alles andere ist eine Zweckentfremdung aus selbstdienlichen Gründen und eine undifferenzierte, unzulässige Vermengung mit Politik. Politik muss man immer kritisieren dürfen, insbesondere wenn gerade von der Politik einer Nation so erhebliche Menschenrechtsverletzungen ausgehen.

Seit 2014 hat sich mit den letzten militärischen Übergriffen die humanitäre Lage der Palästinenser noch erheblich verschlechtert. Hier liegt ein dringender Handlungsbedarf vor. Auch wenn die Lage weniger gravierend wäre gäbe es sicher Dinge zu kritisieren, wie überall sonst auch und dies wäre ebenso völlig legitim, vor allem wenn man als eine Demokratie angesehen werden will.

Israels Verhalten und das Verbieten von Kritik und reeller Auseinandersetzung schürt den Antisemitismus weltweit sogar, wie Prof. Rolf Verleger in folgendem Video richtig anmerkt. So lange nicht erstens Verständnis für Israels Verhalten geschaffen und zweitens dieses Verhalten verändert wird, dann haben wir in der Tat einen Nährboden für Antisemitismus geschaffen.

In diesem 5-minütigen Video sieht man Prof. Rolf Verleger, der außeruniversitären Öffentlichkeit ist Verleger vor allem als Direktoriumsmitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland und als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein bekannt. Sein Standpunkt zu diesen Fragen:

Eine knappe Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland stellt sich seit den Kriegsverbrechen in Gaza letzten Sommer inzwischen gegen Israels Politik. Wer Antisemitismus reell bekämpfen will, hat keine andere Wahl als Kritik zuzulassen und selbst auszuüben, da der Staat Israel sich mit seinem Verhalten isoliert, inzwischen auch bei seinem engsten Bündnispartner, den USA. Ohne eine reelle Auseinandersetzung und Debatte werden die hässlichsten und flachsten Argumente die öffentliche Meinung dominieren.

Das Verbieten von politischer Kritik und Redefreiheit unter Zuhilfenahme der Theorie des sekundären Antisemitismus schürt den weltweiten Antisemitismus noch, verhindert eine informierte Debatte und beschimpft die Überlebenden und Nachkommen von Überlebenden des Holocaust für ihre Kritik an ihrem eigenen Staat als Antisemiten. Dies ist unzulässig. Hier ist ein offener, gebildeter Diskurs erforderlich.

Die richtige Folgerung aus der deutschen Geschichte

Dies hier ist, in meiner Meinung, die richtige Folgerung aus der deutschen Vergangenheit.

Die Erklärung der internationalen Identität:

Ich bin ein Mensch. Ein Teil der Menschheit.
Das ist das einzige Volk dem ich angehöre.
Ich bin ein Teil der menschlichen Rasse.
Das ist die einzige Rasse der ich angehöre.
Ich bin ein Bürger des Planeten Erde.
Das ist meine einzige Heimat. Ich liebe sie sehr.
Ich bin ein Teil jeder Kultur. Alle Kulturen sind ein Teil meines Volkes und wertvoll.
Ich folge nur der Menschlichkeit. Das ist die einzige Ideologie der ich folge.
Alles Leben ist wertvoll. Alles Leben muss beschützt werden.

Das ist die Stufe die die Menschheit als Nächstes erlangen muss. Wenn wir endlich gelernt haben einander mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen, dann werden die Tiere und die Natur mit denen wir unseren Lebensraum teilen unweigerlich folgen.

Im folgenden nur 4 von hunderten vergleichbaren Zitaten israelischer Politiker seit 1947:

25. Juni 1982, Menachim Begin, israelischer Ministerpräsident, in einer Rede an die Knesset: „Die Palästinenser sind Tiere, die auf zwei Füssen gehen.“

14. April 1983, Raphael Eitan, Generalstabschef der israelischen Armee, in der New York Times: „Wenn wir das Land besiedelt haben, wird alles was die Araber dann noch tun können sein, wie betäubte Kakerlaken in einer Flasche umherzuirren.“

Oktober 1983, Heilbrun, Präsident des Komitees zur Wiederwahl des Tel Aviver Bürgermeisters General Shlomo Lahat: „Wir müssen alle Palästinenser töten, es sei denn sie finden sich damit ab, hier als Sklaven zu leben.“

1. April 1988, Yitzhak Shamir, israelischer Ministerpräsident, in einer Rede vor jüdischen Siedlern: „Die Palästinenser sollen zerquetscht werden wie Grashüpfer, ihre Köpfe gegen die Felsen und Wände geschmettert werden.“

Wie gross das Rassismusproblem dort ist, auch gegenüber Asylanten aus Afrika, sowie das Ausmaß der dort vorliegenden Apartheid, gegen die sich schon Nelson Mandela, der Überwinder der Apartheid in Südafrika mit dem palästinensischen Volk solidarisierte, darauf werde ich noch zu einem späteren Zeitpunkt näher eingehen.

nelson mandela

Auch Desmond Tutu sagte bereits wie sehr ihn die Rassentrennung in den besetzten Gebieten bezüglich der nur von Israelis zu befahrenden Strassen und das getrennte Wohnen an Südafrika während der Zeit der Apartheid erinnerte.

Die Apartheid dort erstreckt sich noch so viel weiter und dient einzig dem Zweck diese beiden Völker getrennt zu halten, das eine Volk privilegiert zu halten und das andere mit 30 Gesetzen die es spezifisch diskriminieren unterdrückt zu halten. Israelis stehen unter israelischem Recht, dass sich nach innen wie eine Demokratie verhält, Palästinenser, selbst die die in Israel selbst leben, stehen unter dem unerbittlich harten Militärrecht.

intif 5

demo pale

Das ist Rassentrennung. Das ist auch schlecht für Israel.

Israel ist in seiner vergangenen und aktuellen Politik leider ein Staat der autoritäre und rassistische Tendenzen vorweist und Menschen verletzt. Der Staat Israel, der als eine Demokratie angesehen werden will, missachtet Menschenrechte und betreibt Rassismus, seit seiner Gründung. Ein psychologisch-soziologischer Erklärungsversuch aus der Traumaforschung, der Verständnis für das Verhalten dieses Staates entwickeln und ihm helfen soll einen anderen Weg der Vergangenheitsbewältigung zu finden, wird im Verlauf meiner Argumentation folgen.

Ich stehe auf der richtigen Seite. Ich stehe auf der Seite von Allen. Ich habe keine Feinde, weil ich mich selbst nicht hasse.

Abschliessend möchte ich sagen ich widme all meine Bemühungen allen Menschen, im besonderen meiner überall auf der Welt zerstreuten Familie auf beiden Seiten.

Dr. Hajo Meyers Warnung

Ich finde es großartig und lobenswert wenn deutsche Mitbürger die Verantwortung für die Vergangenheit dieser Nation annehmen möchten. Nur in welcher Weise dies geschieht, darüber möchte ich hier gerne reden. Eine Form der Vergangenheitsbewältigung die mancher gewählt hat, ist es sich mit Nichts auseinanderzusetzen das die früheren Opfer dieser Nation in ein kritisches Licht stellen könnte. Oder jede Kritik gar zu verbieten. Dies ist für mich verständlich, man versucht nur das Richtige zu tun. Ich auch.

Ich würde eine Vorgehensweise vorschlagen die zielführender ist als erneut vor Unrecht die Augen zu verschliessen, wie es die Menschen hier vor einem Dreivierteljahrhundert schon getan haben, sondern diesmal einzuschreiten. Oder hat hier wieder keiner von etwas gewusst? Es gar nicht so genau wissen wollen was in bestimmten Lagern und palästinensischen Ghettos geschieht?

warsaw-ghetto-gaza-boy

Und auch was mit den früheren Opfern dieser Nation geschieht und wie diese ihr Schicksal gestalten, ob sie Hilfestellung und Rat brauchen um sich nicht zu isolieren? Eine Weitergabe des Trauma, eine Radikalisierung der Opfer, sowie eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern sollten eigentlich von höchstem Interesse für Deutschland sein. Oder hat das Wegschauen Tradition hier?

ghetto

Hat man Nichts aus den Ereignissen im Dritten Reich gelernt? Man spielt in diesem Land konstant und unentwegt mit den Schuldgefühlen der Bevölkerung und übernimmt doch nicht die richtige Konsequenz aus der deutschen Vergangenheit. Dies ist die einzig richtige Art und Weise mit diesen Schuldgefühlen und der Verantwortung umzugehen: Hinzuschauen bei Unrecht, statt Wegzusehen.

pp

Es sind die schrecklichen Bilder aus dem Dritten Reich die wir alle gesehen haben und die Berichte die wir gelesen haben, die unsere Fähigkeit den Schmerz der Palästinenser voll anzuerkennen lähmen. Ich erkenne diese Dinge an. Es sind die feinfühligsten unter uns, denen diese Dinge am meisten weh tun. Es sind die mit dem größten Herzen und der größten Menschlichkeit, die diese Dinge, die Verbrechen im Dritten Reich, nicht ertragen können.

Diejenigen, die sich am intensivsten mit diesen Verbrechen auseinandergesetzt haben, sind häufig auch diejenigen, die am stärksten mit ihrer nationalen Identität als Deutsche hadern. Ich habe mir diese Dinge auch angesehen. Die zerbrochenen, ausgemergelten Körper der vernichteten Menschen. Die Massengräber. Die Gesichter der Toten in denen nichts als Elend und Schmerz stand. Und die Fassungslosigkeit in ihren Augen darüber das dies mit ihnen getan wurde, das die Menschheit dies zugelassen hat. Es war ein Schlag in den Bauch. Es hat mir das Herz gebrochen.

Alles in der menschlichen Natur sträubt sich dagegen. Es gibt in seinen Dimensionen kein vergleichbares Verbrechen. Ich habe den Schmerz des jüdischen Volkes anerkannt. Ich hatte große Schwierigkeiten damit umzugehen. Jetzt sehe ich gewaltigen Schmerz und Fassungslosigkeit über das Schweigen der Welt in den Augen der Palästinenser. Auch damit habe ich Schwierigkeiten umzugehen.

mideast-israel-palestinians-405-630x420

la-oe-soueif-gaza-israel-20140801-001

grief

gaza wom

Die Konsequenz die ich aus den Geschehnissen im Dritten Reich gezogen habe, die mir sehr weh getan haben und es noch immer tun, gerade auch als deutscher Staatsbürger, ist, dass ich es nie mehr zulassen kann das Menschen Unrecht widerfährt. Das ihre Menschlichkeit mit Füssen getreten, ihnen aberkannt, sie wie Tiere behandelt werden. Das ihnen Schmerz zugefügt wird. Keinem Menschen. Niemandem. Nie wieder.

Gerade weil ich die jüdische Kultur und das jüdische Erbe schätze muss ich das Vorgehen des Staates Israel kritisieren, da er sich in eine unmögliche Situation manövriert, von ihm erhebliche Menschenrechtsverletzungen ausgehen und er eine autoritäre Struktur aufzeigt. Das sehe ich als meine Verantwortung, gerade auch als Deutscher. Ein Verbrechen mit einem anderen Verbrechen zu rechtfertigen, macht immer noch kein Recht daraus. Ein Verbrechen darf niemals zur Rechtfertigung eines weiteren Verbrechens dienen. Unrecht bleibt Unrecht und muss gestoppt werden. Dafür müssen Tabus gebrochen werden.

Die Palästinenser hatten nichts mit dem Holocaust zu tun. Tatsächlich ist es sogar so das die muslimische Welt früher die einzige war, in der die jüdische Bevölkerung vor Verfolgung überwiegend sicher war. Die Verfolgung durch die Jahrhunderte ging hauptsächlich vom Christentum aus, von weissen Europäern. Das dürfte bekannt sein. Sie gipfelte im Holocaust.

Das ging sogar so weit das Juden häufig mitgezogen sind wenn arabische Volksstämme weiterzogen, da sie bei diesen sicherer waren und Akzeptanz fanden. Die Ähnlichkeiten zwischen diesen Völkern sind größer als ihre Unterschiede. Und mit Sicherheit größer als zu den Europäern. Beide Völker gehören zum Volksstamm der Semiten. Die Kluft zwischen diesen Völkern wurde erst in der Moderne betrieben.

Rassismus oder Hass gegen überhaupt irgendeine Volksgruppe zu schüren ist das Gegenteil meiner Bestrebungen. Ich beabsichtige Verständnis und Hilfen für alle Seiten gleichermaßen zu schaffen. Und gleichzeitig klar aufzuzeigen welches Verhalten abzulehnen und zu kritisieren ist. Welches Verhalten durch Druck der Weltöffentlichkeit verändert werden muss, weil es eine Verletzung der Menschenrechte darstellt. Erneut, auf allen Seiten. Ich stehe auf der richtigen Seite. Ich stehe auf der Seite von Allen.

In diesem kurzen, etwa 3-minütigen Video von meinem Kanal möchte uns ein jüdischer Auschwitz-Überlebender, Dr. Hajo Meyer, eine Warnung mitteilen die unbedingt gehört werden muss. Man beachte bitte auch was ab Minute 2:30 oben rechts geschieht. Deutsche Untertitel aktivierbar (CC, links vom Zahnrad / den Einstellungen).

Und hier das englische Original ohne deutsche Untertitel, falls jemanden das Ausmaß der öffentlichen Zustimmung auf Youtube dazu interessiert und sie oder er über ein gutes Englisch verfügt:

https://www.youtube.com/watch?v=cSlFR541Uoo

Youtubekanal Thematik Israel / Palästina

Link zum Youtubekanal „GOOD Morning Vietnam“ Thematik u.a. Israel / Palästina:

https://www.youtube.com/channel/UCm4zSn0VHWpJk6_MKn_XM_w/playlists

Playlist: