Sekundärer Antisemitismus und Israelkritik

Sekundärer Antisemitismus und Israelkritik

Mit diesem intellektuellen Konstrukt, das nur Wenige bisher ernst nehmen oder kennen, der Theorie des sekundären Antisemitismus, mit dem eine unzulässige Vermengung vorgeworfen und versucht wird jede Kritik an der Politik eines Staates im Keim zu ersticken, bei Nicht-Rassisten, sind doch die Anhänger dieser Theorie diejenigen, die diese unzulässige Vermengung damit eigentlich betreiben.

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Man kann durchaus klar differenzieren zwischen dem jüdischen Volk mit seiner reichhaltigen und wertvollen Kultur, dem Zionismus, der eine Ideologie ist und dem modernen Staat Israel, der eine bestimmte Politik betreibt. Diejenigen die sekundären Antisemitismus dort propagieren wo er nicht vorliegt, sind die, die diese Dinge in unzulässiger Weise miteinander verwechseln und nicht mehr voneinander trennen können. Sie setzen Kritik an Politik mit Rassismus gleich.

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Eine Vermengung die von den Anhängern des Zionismus betrieben wurde, zum Schutze ihrer Ideologie, ursprünglich hauptsächlich durch Ariel Sharon. Nur manche Juden sind Zionisten, nur manche Zionisten sind Israelis, nur manche Israelis sind Juden. Man sollte imstande sein das klar voneinander zu unterscheiden und die einzigen Mitbürger die damit Schwierigkeiten haben finden sich in der rechten Szene und stellen in Deutschland eine absolute Minderheit dar.

In folgendem 1,5-minütigen Video spricht die ehemalige israelische Ministerin Shulamit Aloni über den Missbrauch des Holocaust zur Mundtotmachung von Kritikern an der Politik des modernen Staates Israel:

Wenn mit sekundärem Antisemitismus gemeint ist das es verkehrt ist Israel nur deshalb zu kritisieren, weil es die nationale Heimat des jüdischen Volkes ist, da ist dieses Konzept angebracht. Aber allen anderen tut man damit ein erhebliches Unrecht an. Dann ist es nichts weiter als eine üble Unterstellung, die auf keinerlei reeller Argumentation fusst. Mit diesem Vorwurf wird auch jede Debatte weg von den Inhalten und erst auf das Niveau persönlicher Vorwürfe gezogen. Das halte ich für eine massive Ablenkung und ein verwerfliches Spielen mit den Schuldgefühlen einer Nation.

Was das Problem daran sein soll Israel zu kritisieren, weil von diesem Staat die Politik des Staates Israel ausgeht, kann ich nicht im Geringsten nachvollzienen. Wen soll ich denn sonst für Israels Politik kritisieren und bitten diese zu verändern, die Volksrepublik China? Diesen Vorwurf habe ich nie verstanden, er hat sich schlichtweg falsch angefühlt. Deshalb macht er auch keinen Eindruck auf mich. Es gibt jeden Grund Israel allein für seine Politik zu kritisieren, das sieht nicht nur die UNO so.

Tatsächlich wurde Israel sogar inzwischen bei der UN auf Platz 1 im Bereich der Menschenrechtsverletzungen gesetzt, noch vor dem was man Schurkenstaaten nennt, wie Syrien, etc. Im Bereich der Verletzung von Frauenrechten hat Israel inzwischen Platz 2 eingenommen. Von diesem Staat gehen aktuell weltweit die meisten und größten Menschenrechtsverletzungen aus. Hier gibt es mehr Anlass als sonstwo für Kritik.

Sind die gesamte internationale Gemeinschaft aller in den Vereinten Nationen vertretenen Länder, sowie der internationale Strafgerichtshof auch nur Rassisten? Die UNO ist ein Organ das weltweit Sanktionen gegen Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verhängt, im Fall Israels scheitert das immer wieder allein am Veto der USA.

Hier ist eine erhebliche Kritik erforderlich, ebenso wie in anderen Ländern auch. Diese bezeichnen sich selbst meist jedoch nicht als eine Demokratie. Und werden auch nicht mit deutschen Waffen beliefert, oder fordern sogar die Schenkung von Kriegsschiffen, die sie von uns auch erhalten.

Ich habe mich mein Leben lang gegen Verletzungen der Menschenrechte ausgesprochen. Jetzt habe ich dieses Thema gewählt. Das ist angesichts der erheblichen Missstände dort, die sowohl von Unicef, vielen Menschenrechtsorganisationen, wie auch der UNO und vielen anderen beanstandet werden, auch vollkommen legitim und sogar unbedingt notwendig. Gerade nach den Kriegsverbrechen letzten Sommer in Gaza und der Ankündigung einer noch unerbittlicheren Politik durch Netanjahu. Eine Kritik an der Politik eines Staates muss immer erlaubt sein, unter allen Umständen und keine unzulässige Vermengung kann etwas daran ändern oder jemanden davon abhalten.

Nahum Goldmann (ehem. Präsident des Jüdischen Weltkongresses):

“Wir müssen begreifen, dass das Leid der Juden, das sie durch den Holocaust erlitten, nicht mehr als Schutzschild dienen kann, und wir müssen ganz sicher davon Abstand nehmen, den Holocaust zur Rechtfertigung unseres Tuns heranzuziehen. Wenn Menachem Begin die Bombardierung des Libanon unter Verweis auf den Holocaust rechtfertigt, begeht er eine Art >Hillul Haschem< [ein Sakrileg], eine Banalisierung der heiligen Tragödie der Shoah, die nicht als Begründung für eine politisch zweifelhafte und moralisch verwerfliche Politik missbraucht werden darf.“ (Chomsky, “Offene Wunde Nahost“, S. 38)

Kritik zu verbieten die die eigene Ideologie in Frage stellt, andere Menschen mundtot machen zu wollen und sich Inhalten zu verweigern ist die Haltung eines Fundamentalisten. Die Taliban tun dasselbe. Dies hier kann passieren wenn ein Fundamentalist der keine Kritik duldet und zudem leider auch noch gewaltbereit ist, sich in seiner Ideologie bedroht fühlt. In dieser kurzen Fotostory sieht man was einer westlichen Friedensaktivistin geschehen ist, die sich mit einem Megaphon vor einen israelischen Baggerpanzer stellte.

http://www.palaestina-portal.eu/texte/rachel_corrie.htm

Das israelische Militär spielt den Vorfall herunter und macht sich sogar über das Opfer lustig, gibt ihm die Schuld. Ist dies zu rechtfertigen, selbst wenn der Umgang mit Aktivisten dort häufig brutal ist?

Israel ist laut den Vereinten Nationen leider momentan derjenige Staat, von dem aktuell weltweit die meisten Menschenrechtsverletzungen ausgehen. Israel ist in seiner aktuellen Politik auch ein Staat der fundamentalistische Tendenzen vorweist, der die Redefreiheit unterbinden will und Kritiker innerhalb seiner Grenzen deportiert, gefangen setzt oder gezielte Tötungen durchführt, Aktivisten die Einreise erschwert. Aus diesen Gründen muss der Staat Israel in seiner aktuellen Politik kritisiert werden, auch und gerade um eine informierte und gebildete Kritik zu ermöglichen und das Aufkeimen eines neuen Antisemitismus zu verhindern. Sonst werden die flachesten und hässlichsten Argumente die Debatte bestimmen.

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Wenn jemand die Existenz oder Politik des Staates Israel ablehnt, weil es die nationale Heimat des jüdischen Volkes ist, dann ist er schlichtweg ein Antisemit. Dort wende man dieses Instrument an. Wenn jemand die Politik eines modernen Staates kritisiert, weil von ihm Menschenrechtsverletzungen ausgehen, dann ist das ein Mensch mit einem politischen Verantwortungsbewusstsein und diese Kritik an Politik nicht nur völlig legitim, sondern auch unbedingt erforderlich. Israelkritik hat nichts mit Antisemitismus zu tun. Genau so wenig wie es jemanden zu einem Anti-Briten macht die Politik Englands zu kritisieren. Oder zu einem Anti-Deutschen wenn man die Politik Deutschlands kritisiert.

Jeder hat das Recht Kritik an Politik zu üben, unter allen Umständen. Dies ist ein demokratisches Prinzip für das lange gekämpft wurde und man wird es der Bevölkerung nicht wieder nehmen können, ganz gleich unter welchem Vorwand.

Die Meinungs- und Redefreiheit bleibt bestehen.

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