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Gaza 2014 – Staatlicher und militärischer Terror

Israel rechtfertigt seine militärischen Übergriffe auf Gaza häufig, neben dem Vorhandensein von Schmuggel- und Fluchttunneln, mit der angeblich massiven Bedrohung durch die von der palästinensischen Hamas entwickelten und abgefeuerten „Kassam“-Raketen. Dies sind simple, mit Sprengköpfen versehene Stahlkonstruktionen ohne aktives Leitsystem. Die meisten Abschüsse erfolgen von der Stadt Bait Hanun im Gazastreifen aus. Am 16. April 2001 wurde der erste Einschlag auf dem Territorium des Staates Israel verzeichnet.

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In den 7 Jahren bis 2008 trafen über 3,700 Raketen israelisches Territorium. Die meisten davon wurden vom israelischen Abwehrsystem abgefangen oder schlugen in unbewohntem Gebiet ein. Die ersten Kassam-Flugkörper wurden im Januar 2001 gegen Israelis in Gaza abgefeuert. Ende Juni 2003 gab es die ersten zwei israelischen Todesopfer. In den sieben Jahren von 2001 bis 2008 belief sich die Gesamtzahl aller durch Kassam-Raketen getöteten Israelis auf 15.

Israel hat sich zudem für die Entwicklung eines Abwehrsystems namens „Iron Dome“ entschieden. Seit Juli 2014 stehen neun Systeme um Gaza herum im Einsatz, ein schrittweiser Ausbau auf insgesamt 15 Abwehrstellungen soll in den nächsten Jahren erfolgen, um die angeblich massive Bedrohung durch diese Raketen auszuschliessen, die in 7 Jahren 15 Menschen getötet haben, während Israel bei seinen Kriegsverbrechen in Gaza Tausende Zivilisten und Hunderte Kinder tötet.

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Der alljährliche Bericht des Büros zur Koordination humanitärer Angelegenheiten der Vereinten Nationen hält fest das der Staat Israel im Jahr 2014 mehr palästinensische Zivilisten getötet hat als in jedem anderen Jahr seit der unrechtmäßigen Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens 1967. Israels Aktivitäten in diesen Gebieten resultierten in den Toden von 2,314 Palästinensern, etwa ein Viertel davon Kinder, bei zusätzlich 17,125 körperlichen Verletzungen.
Die Uno macht dafür die vermehrte Verwendung scharfer Munition durch Israel im Westjordanland und im Rest des Landes verantwortlich.

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Dagegen steht das 87 Israelis durch Palästinenser getötet und 2,629 verletzt wurden. Der überwiegende Teil der getöteten Menschen starb in Gaza. Der überwiegende Teil der verletzten oder getöteten israelischen Menschen waren militärische Streitkräfte und bewaffnete Siedler. Der überwiegende Teil der verletzten oder getöteten palästinensischen Menschen waren Zivilisten und Kinder.

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In Gaza leiden 60% der palästinensischen Väter, 75% der Mütter und 92% der Kinder an einem posttraumatischen Stresssymptom, also an schweren seelischen Verletzungen. 99% der Kinder fühlen sich Zuhause unsicher, 96% fühlen das sie sich selbst und ihre Familie nicht schützen können, 23% der dortigen Kinder haben gesehen wie mindestens ein naher Verwandter oder Freund vor ihren Augen ermordet wurde.

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Es gibt Videos von traumatisierten Jugendlichen, die nach Folter in israelischen Gefängnissen kaum noch reden können. Von Kindern die beobachten mussten wie der Schädel ihrer Eltern vor ihren Augen zerfetzt wurde. Diese Menschen leben in Terror. Sie werden terrorisiert. Was Israel betreibt ist militärischer und staatlicher Terrorismus.

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Den Opfern dieser Kriegsverbrechen aufgrund des reell kaum vorhandenen Widerstands durch die weit unterlegene Hamas die Schuld für eine so skrupellose Bombardierung und solche Übergriffe in die Schuhe zu schieben, wie es Israel versucht, ist im höchsten Maße zynisch und verwerflich. Diese Dinge sind nicht zu rechtfertigen, in keinster Weise und wer dies versucht, leugnet Gräuel wider die Menschlichkeit. Leugnet Kriegsverbrechen.

Auch die Anzahl der Palästinenser die durch israelische Militärbehörden in Haft gesetzt und festgehalten wurden stieg 2014 um 24%, also fast ein Viertel an. Durchschnittlich werden dabei monatlich 185 Kinder durch israelische Soldaten verhaftet, befragt und festgehalten, häufig auch körperlich misshandelt, in aller Regel ohne ihre Eltern. Viele Inhaftierte berichten von Bedrohung, Erniedrigung, Einschüchterung und Folter in israelischen Gefängnissen.

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In der UN-Konvention über die Rechte der Kinder steht das jeder Mensch, der das 18.e Lebensjahr noch nicht vollendet hat, ein Kind ist. Unter der israelischen Militärverwaltung gelten palästinensische Minderjährige jedoch schon ab dem 16. Lebensjahr als Erwachsene und fallen deshalb unter das Erwachsenenstrafrecht.

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Zudem werden sie gemeinsam mit Erwachsenen unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert. Es gibt eine Vielzahl von Videos auf Youtube in denen man sehen kann wie die Militärpolizei der IDF, die Israeli Defense Force, Kinder abführt, während z.B. christliche Friedensaktivisten versuchen diese Soldaten auf die Falschheit ihres Tuns anzusprechen.

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Der UN-Sondergesandte des Menschenrechtsrates für die palästinensischen Autonomiegebiete, Richard Falk, hat veröffentlicht das Israel seit dem Jahr 2000 insgesamt mindestens 1,300 palästinensische Kinder vorsätzlich getötet haben soll. Danach sollen die Kinder entweder beim Spielen oder bei anderen Tätigkeiten vorsätzlich ins Visier genommen worden sein. Dies war noch vor den oben geschilderten, aktuellen Opferzahlen der dritten Militäraktion gegen Gaza. Falk erhielt 2009 ein durch die israelische Regierung ausgesprochenes Besuchsverbot der Palästinensergebiete und konnte seine Forschung nicht fortsetzen.

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Es gibt für diese Verbrechen keine Rechtfertigung. Israel tut, was es will, weil die Welt es gewähren lässt. Nun wurde Netanjahu gewählt und hat einen noch härteren Kurs angekündigt, erstmals mit einer rein rechts-religiösen Regierung seit den 90ern.

Zu folgendem Video: Wer die Bilder von Gaza nicht erträgt, ab etwa 6:40 min kann man nur noch einen britischen Reporter sehen, der sich in Gaza offenbar in sein Auto eingeschlossen hat und seine Beobachtungen mitteilt. Deutsche Untertitel.

Hier einige kurze Aufnahmen palästinensischer Kinder in Krankenhäusern, die bei den wahllosen Angriffen auf Gaza durch die IDF verletzt worden sind. Die meisten Kinder in Gaza erhalten jedoch keine medizinische Versorgung und sterben oder verlieren Gliedmassen, da entweder keine Elektrizität vorhanden ist oder ihnen die Ausreise nicht gestattet wird:

Israel ist in seiner momentanen Politik leider ein Staat der ein Volk von 6 Millionen Menschen innerhalb seiner Nation terrorisiert und zutiefst traumatisiert. Hier wird unter Anwendung größtmöglicher Gewalt versucht den Willen und Widerstand einer besetzten und unterdrückten Bevölkerung im eigenen Land zu brechen.

Der Staat Israel muss, wie jeder andere Staat der sich in einer solchen Weise verhält auch, mit Sanktionen belegt werden wenn er nicht endlich den Forderungen der internationalen Gemeinschaft der Vereinten Nationen nachkommt und seine Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen in Gaza und im Rest des Landes gegenüber der widerrechtlich besetzten Bevölkerung einstellt.

Abschließend ein französisches Musikvideo mit englischen Untertiteln das, wie ich finde, anschaulich die Lebensrealität eines Kindes in Gaza beschreibt:

Israel – Traumatisierung und Radikalisierung auf allen Seiten

In meiner Ausbildung habe ich im Rahmen einer Präsentation gegen rechte Gewalt zur Thematik der Traumatisierung und Identifikation mit dem Aggressor einen Vortrag gehalten. Meine psychologische Grundbildung ermöglicht mir Verständnis für Israels Verhalten aufzubringen, statt Dinge zu rechtfertigen die nicht zu rechtfertigen sind. Sonst ist auch keine Lösung möglich.

Statt mit sekundärem Antisemitismus sollte sich mancher mit der anerkannten Theorie des autoritären Charakters befassen, entwickelt durch den jüdischen Psychologen Dr. Sigmund Freud und seine Tochter Anna Freud, sowie fortgeführt durch die Soziologen Fromm und Adorno. Was mancher nicht realisieren möchte und weshalb er die offenkundigen Opfer dieses Konfliktes als Täter bezeichnet, ist das auch Juden Täter sein können. So wie jeder. Und das hat seine Ursachen.

Und die Urheber dieses Trauma die ihren ehemaligen Opfern dieses zugefügt haben, die Deutschen, sind eigentlich diejenigen die einem Freund und Bündnispartner wie Israel dabei helfen sollten eine eigene Entwicklung zu einer autoritären Haltung zu vermeiden. Dieses aggressive Verhalten ist abzulehnen, zu kritisieren, ein öffentlicher Druck muss erzeugt werden und es muss geändert werden.

Sanktionen müssen verhängt werden wie bei jedem anderen Land das sich in einer solchen Weise verhält auch. Gleichzeitig muss man Verständnis für die Ursachen dieses Verhaltens entwickeln. Dies darf aber unter keinen Umständen erneut zur Rechtfertigung und Entschuldigung dessen, was nicht zu rechtfertigen ist und abgelehnt werden muss, zweckentfremdet werden.

Viele Menschen lassen den Staat Israel in seiner aktuellen Politik gewähren, da sie das Trauma der jüdischen Bevölkerung anerkennen, nicht aber dessen Konsequenzen. Dies stellt überhaupt keine Hilfe dar, es ist schädlich. Nun wird dieses Trauma an die Palästinenser weitergegeben. Sie sind die neuen Opfer in dieser Kette. Die Kette von Traumatisierung und der Weitergabe dieses Traumas kann unter diesen Umständen nur noch durch die volle Anerkennung der Verletzungen auf beiden Seiten durchbrochen werden.

In diesem etwa einminütigen Video mit deutschen Untertiteln kann man die Folgen von Traumatisierung und Radikalisierung eines palästinensischen Kindes nachvollziehen:

Die Verdrängung muss endlich enden. Und man wundert sich das die arabische Welt sich radikalisiert. Die gesamte arabische Welt schaut genau auf das, was mit den Palästinensern geschieht und wie der Westen damit umgeht. Das Schicksal der Palästinenser und der Umgang der westlichen Welt damit dienen der arabischen Welt als mahnendes Beispiel dafür, was ihr durch den Westen blühen könnte.

Eine solche Behandlung von Kindern und auch Frauen wie die hier Gezeigte, kann keine gemäßigte Reaktion nach sich ziehen, wenn sie nicht unterbunden wird:

Der 5-jährige palästinensische Junge Khaled Jabari sieht wie sein Vater verhaftet wird, weil dieser frisches Wasser gestohlen hat. Fadel im Westjordanland, Bezirk Hebron. Der indigenen Bevölkerung Palästinas wird das Recht auf Wasser häufig verweigert, während illegale Siedler nicht selten Schwimmbäder in ihrem Garten hinter dem Haus haben:

Während der wöchentlichen Demonstrationen im Dorf An-Nabi Salih versucht eine Mutter mit ihren 3 Kindern auf ihr vom israelischen Militär besetztes Land zu gelangen. Die israelischen Streitkräfte behaupten zunächst, dass sie ihr Land zu einem abgeriegelten Sperrgebiet erklärt hätten. Jedoch wurde dieses Land von israelischen Siedlern aus dem nahegelegenen Dorf geraubt, welche nun durch das Militär beschützt werden. Bei Minute 5 erklärt die Mutter, kurz bevor sie abgeführt wird, das sie über die Besitzurkunden für ihr Land verfügt und fragt den Soldaten aus welchem Grund die israelischen Siedler nicht auch entfernt werden, wenn es sich tatsächlich um eine Sperrzone handele. Im weiteren Verlauf der Aufnahmen verlangen die Kinder vergeblich die Rückgabe ihrer Mutter und teilen den Soldaten mit, dass sie die Presse informieren werden:

In diesem 2-minütigen Videointerview von meinem Youtubekanal (und den folgenden in der selben Playlist, wen es interessiert) bricht eine ehemalige israelische Soldatin, eine von 700 ReservistInnen, ihr Schweigen über die Regel und Realität der Brutalität des Besatzungsregimes in den besetzten Gebieten.

Im letzten Video der Playlist beschreibt sie einen Versuch radikaler Siedler eine palästinensische Familie in ihrem eigenen Haus durch Gas zu töten. Erkennt man hier nicht die Weitergabe des Traumas? Wer könnte bezweifeln das die jüdische Bevölkerung durch das ungeheure Verbrechen des Holocaust zutiefst traumatisiert worden ist? Es war das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte.

Ich unternehme hier einen Versuch Verständnis für Israels Verhalten zu entwickeln und dieses zu ändern, statt es zu rechtfertigen. Doch muss man sich diese Dinge ansehen, gerade als Deutscher.

Israel ist in seiner aktuellen Politik leider ein Staat der eine unterdrückerische Besatzungspolitik ausübt. Er muss einen anderen Weg finden seine Traumatisierung zu bewältigen, als dieses Trauma an andere weiterzugeben. Es ist die Verantwortung der Welt und besonders der Deutschen, ihm zu helfen einen besseren Weg zu finden.