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Israel / Palästina – Anerkennung und Dialog

Ich spiele nicht gerne die Opferkarte. Vor allem nicht vor Publikum. Deshalb habe ich mit der Erwähnung dieser Dinge bis zu diesem Punkt in meiner Argumentation gewartet, da meine Inhalte für sich Selbst stehen können. Nachdem mancher jedoch mir gegenüber als Deutscher das Unrecht das dem jüdischen Volk widerfahren ist als Schutzschild vor sich herträgt und als Waffe gegen mich verwenden wollte, die früheren Opfer und im Fall von Judenverfolgung auch noch heutigen Opfer für seine Argumentation nutzt und sich damit mit der Opferrolle identifiziert, habe ich nun auch einige Dinge zu erzählen. Um meinen Ausführungen zu folgen, ist es hilfreich sich mit der anerkannten Theorie der Entstehung des autoritären Charakters und autoritärer Strukturen von Freud, später Adorno und Fromm, vertraut zu machen.

Sigmund Freud

Mein Großvater väterlicherseits, den ich nie kennenlernen werde, wurde von israelischen Soldaten zwecks einer willkürlichen Hausdurchsuchung und eines routinemäßigen Verhörs in einen Sack gesteckt und die Treppe in seinem eigenen Haus hinuntergestossen, an deren Fuße er dann einen Herzinfarkt erlitt und vor den Augen meines damals 9-jährigen Vaters verstarb. Dieser wurde davon schwer traumatisiert.

Die Juden waren die größten Opfer der Menschheitsgeschichte und sind es an vielen Orten immer noch. Ihnen muss geholfen werden. Einige von ihnen sind Täter geworden. Diesen muss geholfen werden einen anderen Weg zu finden. Die Palästinenser sind seit bald einem Dreivierteljahrhundert Opfer. Ihnen muss geholfen werden. Einige von ihnen sind Täter geworden. Diesen muss geholfen werden einen anderen Weg zu finden. Die heute lebenden Deutschen, die nach der Zeit des Nationalsozialismus geboren wurden, sind Opfer eines schweren Erbes, welches ihnen sehr weh tut. Ihnen muss geholfen werden es zu bewältigen.

Einige deutsche Opfer dieses Erbes haben sich entschieden ihre Vergangenheit zu bewältigen, indem sie sich mit einer Täterideologie der Stärke und Autorität identifizieren, häufig diejenigen, die eine autoritäre Charakterstruktur aufgrund eines eigenen früheren Opferseins und einer mangelnden Bewältigung aufweisen. Ich habe einmal im Rahmen einer Präsentation gegen rechte Gewalt am Beispiel rechtsradikaler Jugendlicher die Entstehung autoritärer Charakterstrukturen aufgezeigt. Diese Menschen verachten was für sie Schwäche darstellt und womit sie sich nicht identifizieren können oder wollen, etwa Minderheiten. So versuchen sie das, was sie an sich Selbst ablehnen, ihr eigenes Opfersein, oder ihre Schwäche, im Aussen zu bekämpfen. Ihnen muss geholfen werden einen anderen Weg zu finden.

Andere haben sich mit der nationalistischen Ideologie der Stärke und Autorität der früheren Opfer dieser Nation im Ausland solidarisiert, häufig diejenigen, denen das deutsche Erbe besonders weh tut, da sie sich besonders intensiv damit auseinandergesetzt und hier nicht weggeschaut haben. Ihnen muss geholfen werden einen anderen Weg zu finden als Wegzuschauen, wenn einige der früheren Opfer ihrer Nation zu Tätern werden. Sie müssen ihnen helfen. Deshalb muss ihnen geholfen werden einen anderen Weg der Bewältigung zu finden.

Die Vorfahren dieser heute lebenden Deutschen waren auch Opfer, die Opfer Hitlers und seiner Ideologie, denn ich denke nicht das die Menschen zu dieser Zeit schlechter geboren wurden, oder bösere Gene hatten als die heutige Bevölkerung. Sie waren wie wir. Nach der Theorie der Entwicklung des autoritären Charakters könnte auch Hitler ein Opfer gewesen sein, dass sein Opfersein auf die schlimmstmögliche Art bewältigt hat, indem er zum Größten aller Täter wurde und andere zu Tätern machte, durch seine autoritäre Ideologie des Täterseins und damit das größte Verbrechen in der Menschheitsgeschichte verursachte. Dieses Land braucht nun sehr viel Heilung.

Er und die, die ihm folgten oder ihn gewähren liessen, sind das mahnende Beispiel für die heutige Menschheit, für all diejenigen die heute nationalistischen, autoritären und gewaltbereiten Ideologien folgen oder sie gewähren lassen, auf allen Seiten, der israelischen, der palästinensischen, der deutschen Seite und in der ganzen Welt. Diese autoritären Strukturen führen stets zu Verbrechen wider die Menschlichkeit und sind eine falsche Bewältigung.

Es gibt so unfassbar viele Verletzungen und Schmerz in unserer Welt. Wir wissen noch nicht, wie man miteinander umgeht. Wir wissen noch weniger, wie wir mit unserem Schmerz umgehen sollen. Es scheint mir, ein Jeder ist ein Opfer von irgendetwas geworden. Ich denke, ich habe die Vergangenheit auf die richtige Weise bewältigt und will diesen Weg auch allen Opfern, auf allen Seiten des Konfliktes, den Juden, den Palästinensern, den Deutschen die heute Opfer ihres Erbes sind, allen die heute Opfer sind und früher Opfer waren, vorschlagen:

Ich habe das Opfersein meines Großvaters anerkannt. Ich habe das frühere Opfersein seines Täters anerkannt. Ich habe die Opferrolle verlassen, indem ich die Täter, die die uns verletzten, verstanden, das bedeutet, ihr eigenes Opfersein und ihren Schmerz voll und ganz anerkannt habe. So konnte ich ihnen vergeben das es ihnen nicht gelang es anders zu überwinden, als zu sein wie ihre Täter. Statt sie zu hassen und statt unser aller Opfersein zu verdrängen.

Ich habe Verständnis für die Opfer und auch die radikalisierten Opfer die zu Tätern wurden, auf allen Seiten dieses Konfliktes. Ich erkenne an wie schwer es ist, sich diesem Opfersein zu stellen und dieses anzuerkennen und es zu akzeptieren. Ich meine Verständnis nicht in Form von reiner Nachsichtigkeit oder Großzügigkeit. Ich rede von einem Verständnis das tiefer gehen muss. Ein wirkliches Verstehen das alle Zusammenhänge erklärt, also wie es zu diesem Verhalten kam, kann nur aus einer vollkommen offenen Haltung, frei von Verurteilung erwachsen. Aus einer Anerkennung aller Schmerzen des Täters. Dann erst ist Vergebung nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Wenn wir den Schmerz eines Menschen voll erkannt haben, dann können wir nicht anders, als ihn zu lieben. Jeder Mensch begegnet wahrgenommenem Leid und Elend mit Liebe. Schmerz ist immer gleich.

Palästinenser

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Es gab schon zu viele Tränen auf allen Seiten. Ich als Mensch und Sohn eines Palästinensers habe Verständnis und Vergebung für die Mörder meines Großvaters. Ich als Ausländer habe Verständnis für die Deutschen und ihr schweres Erbe und die Schwierigkeit, damit richtig umzugehen. Ich als Deutscher habe Verständnis für die Opfer einer autoritären Ideologie, hier und im Ausland. Ihnen allen muss geholfen werden die richtige Bewältigung ihres Schmerzes zu finden. Anerkennung. Verstehen. Vergebung. Ein langer Weg. Er beginnt und endet mit Anerkennung.

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Er muss mit der Anerkennung aller Verletzungen beginnen, auf allen Seiten.
Ich erkenne den Schmerz an, der dem jüdischen Volk zugefügt wurde und wird. Ich denke, die meisten Menschen sind dazu imstande, denn nie habe ich eine größere Verletzung gesehen als den Holocaust. Ich erkenne den Schmerz an, der den heute lebenden Deutschen von ihrer Vergangenheit zugefügt wird. Niemand hat Vergebung nötiger als das deutsche Volk, wer könnte das angesichts seiner Geschichte bezweifeln. Es wird seine Schuldgefühle überwinden können, wenn es seine Vergangenheit auf die richtige Weise bewältigt und die hilfreichsten Schlüsse daraus zieht.

Ich erkenne den Schmerz an, den Palästinenser Israelis zufügen. Ich erkenne den Schmerz an, der den Palästinensern zugefügt wird. Die Palästinenser warten nun seit bald einem Dreivierteljahrhundert auf die Anerkennung ihres Schmerzes durch die Welt. Die Welt schweigt oder schaut weg, weil ihre Täter die größten Opfer der Menschheitsgeschichte waren. Dies ist die falsche Bewältigung. Ihr Schmerz muss voll anerkannt werden.

In diesem 4-minütigen Video mit englischen Untertiteln sieht man die sehr menschliche Reaktion zweier israelischer Nachrichtensprecher auf das, was einem palästinensischen Arzt aus Beit Lahiya, mit dem sie in den letzten Tagen über das Radio in Kontakt gestanden hatten, und seiner Familie gerade, kurz bevor sie ihn interviewen wollten, geschehen ist. Der Nachrichtensprecher schafft es nicht aufzulegen und wer mag, hört sich das auch bis zum Ende an.

Was der Mann immer wieder wiederholt ist, „“Was haben wir Ihnen getan, Gott?“ Dies ist eines der unzähligen unschuldigen zivilen Opfer der aktuellen Politik Israels. Ich weiß nicht, ob man ihnen schon Gehör geschenkt hat.

Man muss den Staat Israel in seiner aktuellen Politik kritisieren und man muss Kritik an Israel erlauben, damit es einen anderen Weg finden und seinen Schmerz bewältigen kann, statt zuzulassen das sein Trauma weitergegeben wird. Man muss den Schmerz des palästinensischen Volkes voll anerkennen, indem man hinschaut wenn Unrecht geschieht. Dies sind unerträglicher Schmerz und Ungerechtigkeit die Menschen in den Wahnsinn treiben können.

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Besonders wenn diese Dinge nicht anerkannt werden. Auf eine volle Anerkennung, ein wirkliches Hinsehen und Anhören, kann nur Verstehen und ein Dialog folgen.

Dialog

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Hier ist ein großartiges Beispiel für diejenigen, die gerne einmal lächelnde Israelis und Palästinenser, mit tanzenden Soldaten, gemeinsam in Jerusalem sehen möchten:

Kein einziger Mensch, aber eine nationalistische Ideologie der Angst und der Allmachtsphantasien ist es, wogegen man sich stellen muss. Eine autoritäre Struktur. Der Wunsch stark und überlegen zu sein. Sie entstand aus dem Trauma einer Verfolgung durch die Jahrtausende die im Holocaust gipfelte und sie ist die falsche Bewältigungsweise. Es ist Hitlers Bewältigungsweise. Keine Menschen, sondern solche Strukturen gilt es zu bekämpfen, um die Kette von Traumatisierung und der Weitergabe dieses Trauma ein für alle Mal zu durchbrechen. Dies wird nur durch die volle gegenseitige Anerkennung gelingen, besonders der Verletzungen auf beiden Seiten.

Und dann lasst uns endlich darüber reden. Im Idealfall verläuft dieses Gespräch so, dass eine beliebige der beiden Seiten sagt: „Es tut uns leid. Wir waren traumatisiert. Es war nicht richtig. Bitte vergebt uns.“ Und die Gegenseite erwidert: „Wir vergeben euch. Bitte vergebt uns auch, was wir getan haben.“

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Die junge Generation trägt noch nicht diesen Schmerz in sich. Lasst nicht zu, dass sie Opfer autoritärer Strukturen wird. Lasst nicht zu, das sie vom Hass infiziert wird, von der Angst derjenigen, die noch nicht wissen wie sie ihren Schmerz bewältigen sollen.

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Die gesamte arabische Welt schaut genau auf das, was mit dem Volk der Palästinenser geschieht. Ihr dient das Schicksal der über 12 Millionen Palästinenser als mahnendes Beispiel dafür, was ihr durch den Westen blühen könnte und welche Behandlung von Arabern dieser befürwortet oder duldet. Auch sie hat viel Angst. Ein weiteres Thema das ich irgendwann einmal ansprechen muss, sind die USA. Die USA sind für mich der Staat, von dem der größte Bombenterror, die meisten Angriffskriege und der meiste politische Terror in den letzten 70 Jahren ausgegangen sind. Das Land mit den meisten Inhaftierten auf der Welt. Dies ist die terroristischste Nation der Welt.

Die imperialistische aktuelle Weltmacht und der engste Bündnispartner der aktuellen israelischen Politik. Auch die amerikanische Bevölkerung hat mein tiefstes Mitgefühl. Wenn man ihre aktuellen Machthaber in ihrer Politik gewähren lässt, könnte das unser aller Untergang bedeuten. Von Israel / Palästina, diesem kleinen Land im Nahen Osten, dem Sitz der Heiligtümer aller drei Weltreligionen, könnte Frieden oder der dritte Weltkrieg für die gesamte Welt ausgehen. Was man verstehen muss ist das der Staat Israel als Repräsentant des Westens in der arabischen Welt wahrgenommen wird. Er könnte ein Nachbar sein.

Aktuell ist er leider ein Feind. Das ist es, was sich ändern muss. 1967 hatte man die Gelegenheit den Palästinensern zu ermöglichen einen eigenen Staat zu bilden. Man hat sich bis heute für Besatzung entschieden und durch die Schaffung von Realitäten wie Trennwall und Siedlungswerk diesen Traum fast zerstört. Was bleibt ist ein Apartheidsregime. Die arabische Liga hat seit 2002 drei Mal versucht Frieden mit Israel zu schließen. Es muss folgende Botschaft in der Mitte der israelischen und auch der globalen Gesellschaft ankommen. Um nur einen von vielen Amerikanern die ich sehr schätze zu zitieren: „Ungerechtigkeit an irgendeinem Ort ist eine Bedrohung für die Gerechtigkeit überall.“ – Martin Luther King

Erst wenn wir die Dinge anschauen, können wir einen Weg finden zu überleben. Es geht nicht mehr anders. Nie wieder Wegschauen, Deutschland. Nie wieder Schweigen. Ich glaube an Euch. Ich brauche Euch. Jeder Einzelne der dies liest, kann einen wichtigen Beitrag leisten. Wir sind so vielfältig. Ein Jeder ist unendlich wertvoll. Sucht das Thema für das ihr geboren wurdet. Oder stellt euch an meine Seite. Erhebt eure Stimme. Alleine sind wir Nichts. Gemeinsam sind wir Alles. Wir, die Massen, sind die stärkste Kraft in der Welt wenn wir zusammenkommen. Es ist Zeit aufzustehen oder unterzugehen, Menschheit. Nur die Menschlichkeit und der Mut werden uns retten.

Wer glaubt er könnte nicht das selbe wie ich tun, irrt. Alles was ich tue, ist mich auf die richtige Seite zu stellen. Auf die Seite von Allen. Ich will allen Beteiligten helfen. Und die Dinge so anerkennen und aussprechen, wie sie sind. Die Wahrheit kann immer für sich selbst stehen. Sie hat eine eigene Qualität. Jeder kann sich auf die Seite der Menschlichkeit stellen und die Wahrheit aussprechen und jeder Mensch wird ihn verstehen. Redet mit anderen über diese Dinge. Brecht das Schweigen.

Mit den Worten Gandhis: „Sei du die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest.“ Die einzige Ideologie oder Waffe die ihr braucht, ist eure Menschlichkeit und den Mut für sie aufzustehen. Wer will, stellt sich gemeinsam mit mir keinen Menschen, sondern gewaltlos der Idee der Gewalt entgegen. Selbst wenn uns die Gewalt trifft. Es geht nicht mehr anders. Aufstehen oder Untergehen, Menschheit. Nur die Menschlichkeit wird uns retten. Unsere Liebe und unser Mut werden den Hass und die Angst auf allen Seiten überwinden. Die meisten von uns wollen den Frieden. Lasst uns endlich zusammenkommen und mit einer Stimme sprechen. Wir sind die Vielen. Wir könnten Eins sein.

Gaza – Ein Kriegsverbrechen

Wenn Ausgewogenheit in der Betrachtung gefordert wird, dann meint Mancher damit eine unehrliche Auseinandersetzungsweise. Weil manche Dinge schlichtweg aus dem Grund nicht sein können, dass sie es für Manchen nicht sein dürfen. Deshalb gibt es von diesen Seiten auch unentwegt Rechtfertigungen für Dinge, die nicht zu rechtfertigen sind. Ich habe kein Problem damit die Dinge so zu benennen wie sie sind.

Ich kann ohne Schwierigkeiten anerkennen das die Reaktionen (denn genau das sind sie, der Aggressor ist im Falle einer besetzten und unterdrückten, weit unterlegenen Bevölkerung mehr als eindeutig oder hat die UN jemals Resolutionen gegenüber den Palästinensern ausgesprochen?) das diese Handlungen derjenigen Palästinenser die sich mit Gewalt wehren, ebenso abzulehnen sind wie Israels Kriegshandlungen, insbesondere zivile Opfer sind unter keinen Umständen zu rechtfertigen.

Das es erhebliche Missstände in den umliegenden arabischen Nationen gibt und vieles mehr prangere ich ebenfalls an. Aktuell rede ich jedoch über Israel. Ja, die arabische Seite begeht Fehler. Aber Israel tut dennoch Dinge die nicht zu rechtfertigen sind. Und zwar systematisch und in einem weit größeren Maßstab als seine Opfer, während es sich selbst als eine Demokratie bezeichnet.

Hier liegt eine völlige Unverhältnismäßigkeit des Konfliktes vor und diese weigert sich Mancher anzuerkennen. Weigert sich damit auch die Opfer als solche zu bezeichnen. Fordert eine unehrliche Auseinandersetzungsweise um seine Position zu schonen. Meinen Youtubekanal habe ich Anerkennung und Dialog genannt. Zuerst müssen die Verletzungen auf beiden Seiten, bei-den Sei-ten, voll und ganz anerkannt werden. Dann lässt sich erst ein Dialog führen. Wer dazu nicht imstande ist, steht dem Friedensprozess im Weg mit seiner eigenen unausgewogenen Betrachtungsweise. Um die reelle Verhältnismäßigkeit des Konfliktes einmal an Gaza aufzuzeigen:

Etwa 1,8 Millionen Menschen leben im Gazastreifen, im zweiten Gebiet neben dem Westjordanland / der Westbank, in das den besetzten Palästinensern nach ihrer Vertreibung zu flüchten gestattet war. 80% von ihnen sind Flüchtlinge und haben einen staatenlosen Status, da Israel ihnen nicht ermöglicht in ihr Zuhause ausserhalb von Gaza zurückzukehren. Sie leben seit 1967 unter Besatzung und seit 2006 trotz unilateralem Rückzug unter einer vollständigen militärischen Belagerung in Luft, Land und See. Dies ist eines der am dichtesten bevölkerten Gebiete der Welt. 800,000 dieser 1,8 Millionen Menschen sind Kinder.

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Bei jedem Angriff ist das Erste was die israelische Regierung kappt die Energieversorgung. Es ist auch stets das Letzte, was von ihr wieder hergestellt wird. Die Menschen von Gaza haben durchschnittlich 6 Stunden Elektrizität am Tag. Auch für ihre Schulen, ihre Krankenhäuser, ihre Wasseraufbereitung.

Die folgenden Zahlen stammen von den unabhängigen Beobachtungsorganen der UNO und können von jedem überprüft werden. Ein Link zu dem entsprechenden UN-Bericht findet sich hier https://www.ochaopt.org/documents/annual_humanitarian_overview_2014_english_final.pdf. Von Juli bis August 2014, also Mitte letzten Jahres erst, wurde die dritte Militäroffensive Israels in den letzten Jahren gegen den Gazastreifen gestartet, mit 2,220 getöteten Palästinensern, fast 1,500 dieser Menschen waren unschuldige Zivilisten, keine Kämpfer. Mehr als ein Viertel der Toten waren Kinder.

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Um die Verhältnismäßigkeit der Auseinandersetzung und die durch Israel viel beschworene Bedrohung durch die Hamas aufzuzeigen, im gesamten Jahr 2014, also nicht nur während dieser Übergriffe auf Gaza und aufs ganze Land bezogen, nicht nur auf den Gazastreifen wie die obigen Zahlen palästinensischer Opfer, wurden 87 Israelis von palästinensischen Kräften getötet, fast ausschließlich militärische Streitkräfte und bewaffnete Siedler. Mehr als 11,000 Palästinenser wurden während der Übergriffe auf Gaza letztes Jahr körperlich verletzt.

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Etwa 500,000 Menschen mussten zum Höhepunkt der Angriffe aufgrund von Bombardements und militärischen Angriffen fliehen. Jedoch ist Gaza ein Käfig der abgeriegelt wird und aus dem es insbesondere während Bombardements und Kämpfen keinen Ausweg gibt.

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Der Zeitpunkt der aus unerklärlichen Gründen für den Beginn des Bombardements durch das israelische Militär gewählt wurde, vielleicht liegt auch ein militärischer Grund dafür vor, war die Mittagszeit, als die Vormittags- und Nachmittagsschulschichten wechselten und die meisten Kinder auf den Strassen waren. Eine Ein-Tonnen-Bombe zerstört einen gesamten Häuserblock. Über 100 Tonnen Bomben wurden auf diese Kinder abgeworfen.

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Etwa 18,000 Palästinenser haben dort letztes Jahr ihr Zuhause verloren und leben nun obdachlos. Über 12,000 Wohnhäuser wurden vollständig zerstört, 13,000 schwer beschädigt, 130,000 teilweise zerstört. Die Schäden im Gaza-Streifen sind so groß wie nie, der Sachschaden beträgt etwa 6 Milliarden Dollar. 70 Prozent der Einwohner sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Gaza ist eine Hölle und ein Trümmerfeld. In dem Kinder leben.

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Diese Dinge sind von Niemandem und in keinster Weise zu rechtfertigen. Das wäre im höchsten Maße zynisch angesichts der Bombardierung von zivilen Zielen wie UN-Schulen, der Tötung von Zivilisten und Kindern und der eklatanten Unverhältnismäßigkeit des „Konfliktes“, richtiger der Invasion. Hier findet Kriegsverbrechen statt. Darin sind sich Menschenrechtsorganisationen einig. Diese Dinge müssen voll anerkannt werden, genau so wie sie sind, ohne sie zu entschuldigen oder zu rechtfertigen.

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Keiner bezweifelt das die Palästinenser sich wehren, auch in unzulässiger Weise. Obgleich eine UNO-Resolution besagt, dass die Kämpfe von Völkern gegen Okkupation und Apartheid legitim sind, auch bewaffneter Widerstand. Dennoch lehne ich Gewalt ab. Der Aggressor und Überlegene ist jedoch eindeutig. Was hier geschieht ist Kriegsverbrechen und Unrecht.

GAZA CITY, GAZA--JULY 26, 2014--At the start of the ceasefire, man grieves at the site of his home in the Shejaiya neighborhood of Gaza City that has seen some of the heaviest bombardment by Israeli forces. There was nothing left to recover. At the start of a 12-hour ceasefire, people scour the rubble of their homes in Shejaiya neighborhood looking for the dead and recovering belongings. (Carolyn Cole/Los Angeles Times)

Ein kurzes, 5-minütiges Video von Dr. Jürgen Todenhöfer bei Anne Will, der persönlich 2014 als Augenzeuge im Gazastreifen war und das die Verhältnismäßigkeit des Konfliktes aufzeigt:

Ein zweites kurzes Video dazu das ich als ebenso wichtig empfinde, denn in ihm beschreiben israelische Soldaten die in einer Panzerdivision an den militärischen Übergriffen auf Gaza im Winter 2008 persönlich teilgenommen haben und welche ich oben noch nicht beschrieben habe, detailliert die Lüge der chirurgischen Angriffe und wie sie mit einer gewaltigen Übermacht dort einfallen um auf alles zu schiessen was sich in der Nähe befindet, sowie die groteske Unmenschlichkeit und Unverhältnismässigkeit des Konfliktes angesichts ihrer militärischen Übermacht. 1,300 tote Palästinenser, überwiegend Zivilisten und Kinder, 13 tote israelische Streitkräfte in diesem Konflikt:

Der Staat Israel begeht im Gazastreifen leider Kriegsverbrechen. Die Unverhältnismäßigkeit des Konfliktes, die durch die UNO beobachteten vielen Tötungen und Verletzungen, zerstörten Wohnhäuser und Schulen sind nicht zu rechtfertigen, auch nicht durch die reell kaum vorhandene Bedrohung durch die Hamas, auf die ich in meinem nächsten Artikel näher eingehen werde. Die Palästinenser haben diesen Übergriffen Nichts entgegenzusetzen.

Den Widerstand der Opfer von Besatzung, Apartheid, Rassismus und militärischen Übergriffen als Anlass und Rechtfertigung für weitere Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu nehmen, wie es die israelische Regierung tut, ist in meinen Augen nicht zulässig. Die immer wieder vorgebrachte Forderung der Hamas ist so einfach wie klar: Behandelt uns endlich gerecht.

Wenn den Palästinensern Gerechtigkeit widerfahren würde, wären sie bereit den Widerstand niederzulegen. Das haben sie häufig betont. Auch würde die Hamas, die den Widerstandskampf führt, gegenüber einer demokratischeren Regierung zurücktreten, wenn dies in einem Referendum auch unter den Palästinensern im Ausland so gefordert werden würde. Statt diesem Volk Gerechtigkeit zu geben, Gleichberechtigung, eine Frau, ein Mann, eine Stimme und demokratische Grundprinzipien, dasselbe das Jeder von uns für sich auch wollen würde, stattdessen wird hier mit der größtmöglichen Gewalt versucht, den Willen und Widerstand dieses Volkes zu brechen.

Demonstrationen und politischer Protest sind erforderlich, die politischen Parteien Deutschlands müssen sich in dieser Frage positionieren, oder dazu angehalten werden sich zu positionieren und der Bevölkerung muss die Möglichkeit gegeben werden entsprechend zu wählen.

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